WDR-Format empfiehlt bei Sommerhitze lange Gewänder aus islamisch geprägten Kulturen – Debatte über den Social-Media-Beitrag entbrannt

Ein Instagram-Beitrag des WDR-Formats COSMO sorgt für Diskussionen: Zur Hitze empfiehlt das Format unter anderem islamisch geprägte Kleidung wie die Djellaba. Kritiker werfen dem öffentlich-rechtlichen Angebot vor, kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe auszublenden.

7/31/20262 min read

Ein Mann in einer traditionellen weißen Djellaba läuft durch einen sonnenbeschienenen Markt und illu
Ein Mann in einer traditionellen weißen Djellaba läuft durch einen sonnenbeschienenen Markt und illu
Ein Social-Media-Beitrag des WDR-Formats COSMO hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. In einem Instagram-Post stellte das Format verschiedene traditionelle Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Regionen der Welt als mögliche Kleidung für heiße Sommertage vor. Darunter befanden sich unter anderem die Djellaba aus Nordafrika, der Thobe aus arabischen Ländern sowie weitere lange Gewänder aus verschiedenen Kulturkreisen. Der Tenor des Beitrags: Wer sich vor Sonne schützen wolle, könne auf lange, lockere Kleidung setzen.

Besonders Aufmerksamkeit erregte dabei die Empfehlung der Djellaba – eines langen Gewandes, das vor allem in Marokko und anderen nordafrikanischen Ländern verbreitet ist und häufig mit islamisch geprägter Kleidung in Verbindung gebracht wird. COSMO stellte das Kleidungsstück als Schutz vor Sonne sowie vor Wind und anderen Witterungseinflüssen dar und präsentierte es als mögliche Alternative zu leichter Sommerkleidung.

Kritik an fehlender Einordnung

Der Beitrag stieß in den sozialen Netzwerken schnell auf Kritik. Kritiker bemängeln insbesondere, dass traditionelle Kleidungsstücke zwar als praktische Lösung gegen Hitze präsentiert würden, deren gesellschaftlicher und kultureller Hintergrund jedoch kaum thematisiert werde.

So wird darauf hingewiesen, dass Kleidungsstücke wie die Djellaba in vielen Regionen nicht ausschließlich aus klimatischen Gründen getragen werden. Teilweise stehen sie auch im Zusammenhang mit religiösen oder gesellschaftlichen Normen. Kritiker werfen dem Beitrag deshalb vor, diese Zusammenhänge auszublenden und die Kleidung lediglich als modischen oder funktionalen Hitzeschutz darzustellen.

Empfehlungen für den Kopf

Neben langen Gewändern empfahl der Beitrag laut Berichten auch verschiedene traditionelle Kopfbedeckungen. Genannt wurden unter anderem der mexikanische Sombrero, der vietnamesische Kegelhut sowie die arabische Kufiya beziehungsweise Ghutra als Möglichkeiten, den Kopf vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen.

Gerade die Erwähnung der Kufiya löste zusätzliche Diskussionen aus. Das Tuch wird in unterschiedlichen Ländern traditionell getragen, hat in Europa jedoch auch eine politische Symbolik entwickelt und wird häufig mit dem Nahostkonflikt oder der Palästina-Solidaritätsbewegung in Verbindung gebracht. Kritiker halten deshalb auch hier eine differenziertere Einordnung für notwendig.

Debatte über die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien

Die Diskussion dreht sich inzwischen längst nicht mehr nur um Kleidung. Vielmehr wird grundsätzlich darüber gestritten, welche Rolle öffentlich-rechtliche Medien bei gesellschaftlichen Themen einnehmen sollten.

Während einige Nutzer den Beitrag als harmlosen Hinweis auf traditionelle Kleidung verstehen, sehen andere darin eine einseitige Darstellung kulturell oder religiös geprägter Bekleidung. Sie kritisieren, dass problematische Aspekte – etwa gesellschaftlicher oder religiöser Druck in einzelnen Ländern – im Beitrag nicht angesprochen würden.

Befürworter halten dagegen, dass lange und luftige Kleidung in heißen Regionen der Welt seit Jahrhunderten zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung getragen werde und dies unabhängig von religiösen Motiven betrachtet werden könne.

Frühere Beiträge werden erneut diskutiert

Im Zuge der aktuellen Debatte verweisen Kritiker außerdem auf frühere Veröffentlichungen des Formats COSMO. Bereits zuvor hatte sich das Angebot mit sogenannter "Modest Fashion" beschäftigt – einem Modestil, der auf stärker bedeckende Kleidung setzt. Auch damals wurde darüber diskutiert, ob religiöse und gesellschaftliche Hintergründe ausreichend berücksichtigt wurden.

Diskussion dürfte weitergehen

Ob der umstrittene Instagram-Beitrag Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist bislang offen. Fest steht jedoch, dass die Veröffentlichung eine breite Debatte über kulturelle Sensibilität, religiöse Symbolik und die Darstellung solcher Themen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgelöst hat.

Vor allem die Empfehlung islamisch geprägter Kleidungsstücke als Hitzeschutz steht im Mittelpunkt der Kritik. Gegner des Beitrags fordern mehr Einordnung und Kontext, während andere den Post als praktischen Hinweis auf traditionelle Kleidung aus heißen Klimazonen bewerten. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, wie schnell selbst vermeintlich alltägliche Lifestyle-Themen gesellschaftliche und politische Diskussionen auslösen können.

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