Verfassungsschutz warnt: Extremistische Szenen wachsen in Berlin deutlich an – Jugendliche immer stärker im Visier radikaler Gruppen. Linksextremismus bleibt die größte Szene, Salafisten legen besonders stark zu.
Die Sicherheitsbehörden beobachten einen deutlichen Anstieg extremistischer Aktivitäten in Berlin. Besonders besorgniserregend: Immer mehr Jugendliche werden über soziale Netzwerke für radikale Ideologien angesprochen. Linksextremismus bleibt die größte Szene der Hauptstadt, während islamistische und salafistische Strukturen ebenfalls wachsen. Was hinter den aktuellen Zahlen steckt.
6/2/20262 min read
Berlin verzeichnet einen erneuten Anstieg extremistischer Bestrebungen. Das geht aus aktuellen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hervor. Demnach haben nahezu alle beobachteten extremistischen Milieus innerhalb eines Jahres an Zulauf gewonnen. Besonders im Fokus steht dabei die zunehmende Ansprache junger Menschen über soziale Netzwerke, die von Experten als eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre angesehen wird.
Nach Einschätzung der Behörden nutzen extremistische Gruppierungen digitale Plattformen immer gezielter, um Jugendliche und junge Erwachsene für ihre politischen oder religiösen Ideologien zu gewinnen. Die Inhalte würden dabei zunehmend an die Lebenswelt und den Medienkonsum junger Nutzer angepasst. Sicherheitsverantwortliche sehen darin eine gefährliche Entwicklung, da Radikalisierungsprozesse heute deutlich schneller und oft unbemerkt stattfinden können.
Besonders stark vertreten bleibt in Berlin weiterhin das linksextremistische Spektrum. Die Zahl der Personen, die diesem Bereich zugerechnet werden, ist erneut gestiegen. Damit stellt die linksextremistische Szene nach wie vor das größte extremistische Personenpotenzial der Hauptstadt dar. Auffällig ist dabei, dass nicht nur organisatorische Strukturen wachsen, sondern auch gewaltorientierte Gruppierungen wieder stärker in Erscheinung treten. Sicherheitsbehörden beobachten insbesondere autonome und postautonome Strukturen mit Sorge.
Darüber hinaus verweisen die Behörden auf eine zunehmende Militanz innerhalb einzelner linker Gruppierungen. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Angriffen auf Unternehmen, Infrastruktur und politische Gegner. Auch bundesweit wurde zuletzt ein deutlicher Anstieg linksextremistisch motivierter Straftaten registriert.
Parallel dazu wächst auch das islamistische Spektrum in Berlin weiter. Besonders auffällig ist laut Sicherheitsbehörden die Entwicklung salafistischer Bestrebungen. Diese gelten als wichtiger ideologischer Nährboden für Radikalisierungsprozesse und können in einzelnen Fällen bis hin zur Gewaltbereitschaft führen. Experten warnen, dass islamistische Akteure zunehmend soziale Medien nutzen, um junge Menschen anzusprechen und für ihre Weltanschauung zu gewinnen. Die Verbreitung entsprechender Inhalte richte sich mittlerweile teilweise sogar an Minderjährige.
Auch im Bereich des Rechtsextremismus beobachten die Sicherheitsbehörden Veränderungen. Zwar bleibt das Personenpotenzial im Vergleich zu anderen extremistischen Lagern geringer, allerdings rücken zunehmend jugendliche Gruppierungen in den Fokus. Diese organisieren sich häufig zunächst online und treten anschließend bei öffentlichen Aktionen oder Demonstrationen in Erscheinung. Experten warnen vor einer steigenden Gewaltbereitschaft innerhalb dieser neuen Strukturen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Beobachtung liegt auf auslandsbezogenen extremistischen Organisationen. Hier spielen insbesondere Konflikte im Nahen Osten eine Rolle, die auch in Berlin Auswirkungen auf politische Mobilisierung und Radikalisierung haben. Sicherheitsbehörden registrieren in diesem Zusammenhang eine zunehmende Vermischung verschiedener extremistischer Milieus und Ideologien.
Die Verantwortlichen sehen deshalb vor allem die Radikalisierung junger Menschen als zentrale Herausforderung. Während frühere Rekrutierungsversuche häufig in persönlichen Netzwerken stattfanden, erfolgt die Ansprache heute oftmals über Kurzvideos, Messenger-Dienste und soziale Plattformen. Dadurch können extremistische Inhalte innerhalb kürzester Zeit ein großes Publikum erreichen.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass Extremismus in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen weiterhin eine ernstzunehmende Herausforderung für die Hauptstadt bleibt. Neben der Strafverfolgung und Beobachtung extremistischer Strukturen wird deshalb auch die Präventionsarbeit zunehmend wichtiger. Ziel sei es, insbesondere junge Menschen frühzeitig für demokratische Werte zu sensibilisieren und sie vor Radikalisierungsversuchen zu schützen.