Kalifornien: Bürgermeisterin gesteht Propaganda für China
Eine demokratische Bürgermeisterin aus Kalifornien hat laut US-Behörden jahrelang im Auftrag Pekings Propaganda verbreitet. Ihr Geständnis wirft erneut Fragen über Chinas Einfluss in den USA auf.
5/12/20262 min read
Die Bürgermeisterin der kalifornischen Stadt Arcadia, Eileen Wang, steht im Zentrum eines politischen und sicherheitsrelevanten Skandals in den USA. Laut Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft soll die Demokratin über mehrere Jahre hinweg verdeckt im Interesse der chinesischen Regierung gearbeitet haben. Medienberichten zufolge hat Wang inzwischen eingeräumt, als Agentin für China tätig gewesen zu sein.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht eine von Wang betriebene chinesischsprachige Nachrichtenplattform. Offiziell wurde die Seite als Informationsportal für die lokale chinesische Gemeinschaft dargestellt. Nach Einschätzung der US-Ermittler diente das Medium jedoch dazu, gezielt Inhalte im Sinne der chinesischen Führung zu verbreiten.
Besonders brisant sind dabei verschlüsselte Chatnachrichten, die laut Behörden belegen sollen, dass Wang direkten Kontakt zu chinesischen Regierungsvertretern unterhielt. Demnach sollen chinesische Beamte Artikel und politische Botschaften an Wang weitergeleitet haben, die kurze Zeit später nahezu unverändert auf ihrer Plattform veröffentlicht wurden. Dabei ging es unter anderem um Berichte, die das Vorgehen Chinas gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang verteidigten oder Kritik daran zurückwiesen.
Nach Angaben der Ermittler soll Wang zwischen 2020 und 2022 aktiv an dieser Einflusskampagne beteiligt gewesen sein. In diesem Zeitraum verbreitete sie laut Staatsanwaltschaft regelmäßig Inhalte, die den politischen Interessen Pekings dienten. Die Behörden werfen ihr vor, dabei bewusst im Auftrag chinesischer Stellen gehandelt zu haben, ohne dies öffentlich offenzulegen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch mutmaßliche Verbindungen zu John Chen, einem Mann, der bereits zuvor in den Fokus amerikanischer Sicherheitsbehörden geraten war. Chen gilt laut US-Ermittlern als hochrangiger Akteur im Umfeld chinesischer Geheimdienststrukturen und wurde bereits 2024 wegen illegaler Tätigkeiten als chinesischer Agent verurteilt. Ermittler gehen davon aus, dass Wang auch mit ihm in Kontakt stand.
Die Affäre sorgt in den USA für erhebliche politische Diskussionen. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für Versuche Chinas, Einfluss auf westliche Demokratien und lokale politische Strukturen zu nehmen. Vor allem die Tatsache, dass Wang während der mutmaßlichen Aktivitäten in den Stadtrat von Arcadia gewählt wurde und später sogar Bürgermeisterin wurde, löst Besorgnis aus.
Das FBI führt die Ermittlungen weiterhin fort. Offizielle Stellen betonen, dass Personen, die heimlich für ausländische Regierungen arbeiten, eine Gefahr für demokratische Institutionen darstellen könnten. Der zuständige Staatsanwalt Bill Essayli erklärte, der Fall zeige, wie ernst die amerikanischen Behörden Einflussoperationen aus dem Ausland inzwischen nehmen.
In den vergangenen Jahren hatten US-Geheimdienste und Sicherheitsbehörden wiederholt vor chinesischen Einflussnetzwerken gewarnt. Dabei ging es nicht nur um klassische Spionage, sondern auch um politische Einflussnahme, Propaganda und Versuche, öffentliche Debatten in den Vereinigten Staaten zu beeinflussen. Der aktuelle Fall dürfte diese Diskussionen weiter verschärfen.
Welche Strafe Wang konkret droht, ist bislang offen. Da sie laut Berichten bereits eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft unterschrieben haben soll, könnte es jedoch zu einem Gerichtsverfahren mit reduziertem Strafmaß kommen. Dennoch dürfte der politische Schaden bereits jetzt enorm sein.
Der Fall entwickelt sich zu einem weiteren Symbol für die zunehmend angespannten Beziehungen zwischen Washington und Peking. Während die USA China immer häufiger als strategischen Rivalen betrachten, werfen amerikanische Behörden der chinesischen Regierung vor, ihren Einfluss systematisch weltweit auszubauen – auch auf kommunaler und regionaler Ebene.
Für viele Beobachter zeigt der Fall zudem, dass geopolitische Konflikte längst nicht mehr nur auf diplomatischer oder wirtschaftlicher Ebene ausgetragen werden. Stattdessen geraten zunehmend auch lokale Politiker, Medienplattformen und digitale Netzwerke in den Fokus internationaler Machtkämpfe.
Quellen: Recherchen und Informationen unter anderem von Apollo News, US-Justizbehörden, FBI-Unterlagen sowie internationalen Medienberichten