Diskussion um Migranten und Nicht-Migranten
Die Debatte über die Begriffe 'Migranten' und 'Nicht-Migranten' sorgt für Aufregung. Warum wird nicht einfach von 'Deutschen' gesprochen? Ein Blick auf Sprache, Identität und Medienvertrauen.
5/24/20263 min read
Ein Beitrag der Tagesschau zum Jubiläum des Grundgesetzes sorgt aktuell für Diskussionen in sozialen Netzwerken. Hintergrund ist eine Formulierung aus einem Bericht über ehrenamtliches Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt, in dem von einem Austausch zwischen „Migranten und Nicht-Migranten“ gesprochen wurde. Kritiker werfen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor, damit Deutsche indirekt nur noch über ihre Abgrenzung zu Migranten zu definieren.
Anlass des Beitrags war der 77. Jahrestag des deutschen Grundgesetzes. Bundesweit hatten Vereine, Initiativen und Organisationen Aktionen veranstaltet, um demokratisches Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar zu machen. Die Tagesschau begleitete dabei unter anderem eine Veranstaltung in Potsdam, an der auch Mitglieder der Initiative „Omas gegen Rechts“ beteiligt waren.
Im Mittelpunkt des Fernsehbeitrags stand eine ältere Ehrenamtliche, die sich in sozialen Projekten engagiert und unter anderem bei Sprachkursen hilft. Während der Anmoderation fiel dann die inzwischen vielfach diskutierte Formulierung, wonach beim „Mitmachtag“ in Potsdam „Migranten und Nicht-Migranten“ miteinander in den Austausch kämen. Genau dieser Ausdruck löste innerhalb kürzester Zeit eine Welle von Reaktionen auf Plattformen wie X aus.
Viele Nutzer empfanden die Wortwahl als befremdlich. Kritiker argumentieren, dass dadurch Menschen ohne Migrationshintergrund nicht mehr als Deutsche bezeichnet würden, sondern lediglich als „Nicht-Migranten“. Vor allem konservative und migrationskritische Stimmen sehen darin ein weiteres Beispiel für eine sprachliche Veränderung im öffentlichen Diskurs. In zahlreichen Kommentaren wurde gefragt, warum Begriffe wie „Deutsche“, „Einheimische“ oder „Bürger“ offenbar vermieden würden.
Besonders scharf fiel die Kritik aus dem Umfeld des Nachrichtenportals NIUS aus. Dort wurde die Formulierung als Ausdruck einer ideologisch geprägten Sprache bezeichnet. Der Artikel des Portals stellte die Frage in den Raum, ob klassische nationale Begriffe zunehmend aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verdrängt würden.
Unterstützung bekam diese Kritik auch aus sozialen Medien. Mehrere Nutzer warfen der ARD vor, durch bestimmte Formulierungen gesellschaftspolitische Botschaften transportieren zu wollen. Einige Kommentatoren sahen darin eine sprachliche Anpassung an ein zunehmend identitätspolitisches Weltbild. Andere wiederum hielten die Aufregung für überzogen und verwiesen darauf, dass der Begriff „Nicht-Migranten“ lediglich eine neutrale Gegenüberstellung innerhalb des konkreten Kontextes gewesen sei.
Tatsächlich werden ähnliche Begriffe seit einigen Jahren häufiger in wissenschaftlichen Studien, politischen Debatten und Medienberichten verwendet. Dort dienen sie meist dazu, Gruppen statistisch oder sozialwissenschaftlich voneinander abzugrenzen. Kritiker bemängeln jedoch, dass solche Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch schnell distanziert oder künstlich wirken könnten.
Auch der Zeitpunkt der Debatte sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit. Gerade rund um Themen wie Migration, Integration und nationale Identität wird in Deutschland zunehmend emotional diskutiert. Formulierungen in öffentlich-rechtlichen Medien stehen deshalb regelmäßig unter besonderer Beobachtung. Schon kleinere sprachliche Nuancen können inzwischen größere politische Debatten auslösen.
Im selben Tagesschau-Beitrag kam auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Wort. Er betonte die Bedeutung des Ehrenamts für die Demokratie und lobte das gesellschaftliche Engagement vieler Bürger. Ehrenamt sei das „Rückgrat unserer Demokratie“, erklärte der Bundespräsident.
Während einige Zuschauer den eigentlichen Fokus des Beitrags – Zusammenhalt und Engagement – hervorhoben, konzentrierte sich die öffentliche Diskussion fast ausschließlich auf die umstrittene Formulierung. Das zeigt erneut, wie sensibel Sprache im politischen und medialen Raum mittlerweile wahrgenommen wird.
Die Debatte reiht sich in eine größere gesellschaftliche Auseinandersetzung über politische Sprache, Identität und Medienvertrauen ein. Besonders öffentlich-rechtliche Sender sehen sich seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen sprachlich oder ideologisch zu begleiten. Befürworter halten dagegen, dass Sprache sich kontinuierlich verändere und gesellschaftliche Realität abbilde.
Ob die Tagesschau ihre Wortwahl künftig anpasst oder die Diskussion kommentiert, bleibt bislang offen. Klar ist jedoch: Der kurze Satz über „Migranten und Nicht-Migranten“ hat weit mehr Aufmerksamkeit erzeugt als der eigentliche Anlass des Beitrags – nämlich das Jubiläum des Grundgesetzes und das Engagement vieler Ehrenamtlicher in Deutschland
Quellen: Recherchen und Informationen basieren unter anderem auf Berichten von NIUS, öffentlich zugänglichen Medienbeiträgen, Social-Media-Reaktionen sowie weiteren aktuellen Veröffentlichungen zum Thema.