Schüsse in Göttingen: Polizist bei Einsatz schwer verletzt – Europaweite Fahndung nach 16-Jährigem
Ein Streit zwischen rivalisierenden Großfamilien eskaliert mitten in Göttingen. Ein Polizist wird angeschossen und schwer verletzt. Die Ermittler fahnden europaweit nach einem 16-Jährigen. Wie konnte die Situation derart außer Kontrolle geraten?
6/16/20262 min read


Ein Polizeieinsatz in der Göttinger Innenstadt ist am Wochenende dramatisch eskaliert. Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Großfamilien wurde ein Polizeibeamter durch einen Schuss schwer verletzt. Die Ermittler fahnden inzwischen europaweit nach einem 16 Jahre alten Tatverdächtigen, gegen den ein Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Totschlags vorliegt.
Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend gegen 22.15 Uhr im Bereich Weender Tor und Weender Landstraße. Nach bisherigen Erkenntnissen waren dort Mitglieder zweier polizeibekannter Familiengruppen in einen Streit geraten. Die Situation spitzte sich innerhalb kurzer Zeit zu. Mehrere Polizeikräfte waren vor Ort, um die Auseinandersetzung zu beenden und die Beteiligten voneinander zu trennen.
Während des Einsatzes fielen plötzlich Schüsse. Ein Beamter wurde dabei getroffen und schwer verletzt. Rettungskräfte brachten ihn umgehend in ein Krankenhaus. Der Polizist musste auf der Intensivstation behandelt werden. Nach Angaben der Ermittler besteht inzwischen jedoch keine akute Lebensgefahr mehr.
Der mutmaßliche Schütze flüchtete unmittelbar nach der Tat. Die Polizei leitete noch in derselben Nacht eine groß angelegte Fahndung ein. Neben zahlreichen Einsatzkräften kam auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz, der über dem Stadtgebiet kreiste. Der Bereich rund um den Tatort wurde weiträumig abgesperrt, um Spuren zu sichern und mögliche Fluchtwege zu überprüfen.
Inzwischen richtet sich der Verdacht gegen einen 16-jährigen Jugendlichen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass gegen ihn wegen versuchten Totschlags mit einem europäischen Haftbefehl gesucht wird. Wo sich der Jugendliche derzeit aufhält, ist bislang unklar. Die Ermittler können nicht ausschließen, dass er sich noch in Deutschland befindet oder bereits ins Ausland geflohen ist.
Wie die Behörden auf den Jugendlichen als Tatverdächtigen aufmerksam wurden, wurde aus ermittlungstaktischen Gründen bislang nicht bekannt gegeben. Auch die Frage, ob der 16-Jährige bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten war, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch Gegenstand der Ermittlungen.
Zur weiteren Aufklärung des Falls wurden am Folgetag mehrere Durchsuchungen durchgeführt. Einsatzkräfte durchsuchten Gebäude in Göttingen sowie im Umland. Dabei stellten die Ermittler zahlreiche Mobiltelefone sicher, die nun ausgewertet werden. Die Hoffnung der Ermittler ist, dadurch weitere Erkenntnisse über den Tatablauf, mögliche Mittäter oder die Hintergründe der Auseinandersetzung zu gewinnen.
Zudem bittet die Polizei die Bevölkerung um Unterstützung. Da sich der Vorfall in einem belebten Bereich der Stadt ereignete, gehen die Ermittler davon aus, dass zahlreiche Zeugen die Ereignisse beobachtet oder mit ihren Smartphones aufgezeichnet haben könnten. Videos, Fotos und Hinweise könnten eine entscheidende Rolle bei der Rekonstruktion des Geschehens spielen.
Besonders brisant: Zum Zeitpunkt der Schüsse fand in der Göttinger Innenstadt die Veranstaltung „Nacht der Kulturen“ statt. Tausende Besucher waren in der Stadt unterwegs. Die Polizei betonte jedoch mehrfach, dass zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Gefahr für die allgemeine Bevölkerung bestanden habe. Dennoch sorgt der Vorfall weit über die Region hinaus für Entsetzen.
Vertreter aus Politik und Sicherheitsbehörden verurteilten die Tat scharf. Ein Angriff auf einen Polizeibeamten sei zugleich ein Angriff auf den Rechtsstaat und könne nicht toleriert werden. Die Forderungen nach einer konsequenten Bekämpfung von Gewaltkriminalität und illegalem Waffenbesitz dürften durch den Fall neuen Auftrieb erhalten.
Die genauen Hintergründe der Auseinandersetzung sind weiterhin Gegenstand intensiver Ermittlungen. Noch ist unklar, weshalb der Streit derart eskalierte und ob es bereits im Vorfeld Konflikte zwischen den beteiligten Gruppen gegeben hatte. Die Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, den flüchtigen Tatverdächtigen zu finden und die offenen Fragen zu klären.
Fest steht jedoch schon jetzt: Der Vorfall in Göttingen hat erneut gezeigt, mit welchen Gefahren Polizeibeamte im Einsatz konfrontiert sein können – und wie schnell alltägliche Einsätze zu lebensbedrohlichen Situationen werden.