Premiere in Deutschland: Europas erste Islamische Fakultät startet – Meilenstein oder umstrittenes Signal?
Die Universität Münster schreibt Hochschulgeschichte: Erstmals entsteht in Europa eine eigenständige Islamisch-Theologische Fakultät. Das Projekt sorgt für Lob, aber auch für kontroverse Diskussionen über Integration, Religion und Wissenschaft.
6/22/20262 min read


Mit der Gründung der ersten Islamisch-Theologischen Fakultät Europas setzt die Universität Münster ein Zeichen, das weit über Nordrhein-Westfalen hinaus Beachtung findet. Ab Juli 2026 erhält die islamische Theologie an der Hochschule einen eigenständigen Status und wird damit institutionell auf eine Ebene mit den bereits etablierten christlich-theologischen Fakultäten gestellt. Nach Angaben der Universität handelt es sich um die erste Einrichtung dieser Art in Europa.
Die neue Fakultät geht aus dem bisherigen Zentrum für Islamische Theologie hervor, das bereits seit mehreren Jahren an der Universität Münster besteht. Dort wurden unter anderem Lehrkräfte für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet. Durch die Umwandlung in eine eigenständige Fakultät erhält der Fachbereich nun deutlich mehr wissenschaftliche und organisatorische Eigenständigkeit.
Zu den wichtigsten Neuerungen gehört das Recht, eigene Promotionsverfahren durchzuführen und akademische Prüfungen eigenständig zu organisieren. Außerdem kann die Fakultät künftig ihr Lehr- und Forschungsprofil weitgehend selbst gestalten. Beobachter sehen darin eine erhebliche Aufwertung der islamischen Theologie innerhalb der deutschen Hochschullandschaft.
Geplant sind insgesamt acht Professuren, die unterschiedliche Bereiche der islamischen Theologie und Religionswissenschaft abdecken sollen. Dazu gehören unter anderem islamische Geschichte, Ethik, Philosophie sowie Religionspädagogik. Finanziert wird der Ausbau durch das Land Nordrhein-Westfalen.
Als Gründungsdekan wurde der islamische Religionspädagoge und Wissenschaftler Mouhanad Khorchide berufen, der bereits seit Jahren eine zentrale Rolle beim Aufbau islamisch-theologischer Studiengänge in Deutschland spielt. Khorchide betonte mehrfach die Bedeutung des Projekts für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland. Die Fakultät solle dazu beitragen, islamische Theologie stärker in den wissenschaftlichen Diskurs einzubinden und die Ausbildung religiöser Fachkräfte im eigenen Land zu fördern.
Auch die räumliche Entwicklung spielt bei dem Vorhaben eine wichtige Rolle. Die Fakultät soll Teil eines neuen Campus der Religionen werden, auf dem unterschiedliche theologische und religionswissenschaftliche Fachbereiche zusammenarbeiten. Geplant sind gemeinsame Einrichtungen wie Bibliotheken und Begegnungsräume, um den Austausch zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und wissenschaftlichen Disziplinen zu fördern.
Unterstützung erhält das Projekt auch aus Politik und Wissenschaft. Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan bezeichnete die Gründung als wichtigen Meilenstein. Ihrer Ansicht nach könne die neue Fakultät dazu beitragen, den wissenschaftlichen Dialog zwischen den Religionen zu stärken und die Bedeutung theologischer Forschung innerhalb der Universitäten hervorzuheben.
Gleichzeitig löst die Entwicklung auch Diskussionen aus. Während Befürworter von einem wichtigen Schritt zur gesellschaftlichen Anerkennung von Muslimen sprechen, sehen Kritiker offene Fragen hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung islamischer Theologie an staatlichen Hochschulen. Dabei geht es unter anderem um den Einfluss religiöser Organisationen, die Ausgestaltung der Lehrinhalte sowie die Rolle der Fakultät bei der Ausbildung von Religionslehrern und theologischen Fachkräften.
Unabhängig von diesen Debatten markiert die Eröffnung der Fakultät einen bedeutenden Einschnitt in der deutschen Hochschulgeschichte. Erstmals erhält die islamische Theologie in Europa den Status einer vollwertigen Fakultät innerhalb einer öffentlichen Universität. Die Verantwortlichen hoffen, dass dadurch neue Impulse für Forschung, Lehre und den interreligiösen Dialog entstehen.
Mit dem Start des Lehrbetriebs im Wintersemester 2026/27 beginnt nun die praktische Umsetzung eines Projekts, das über Jahre vorbereitet wurde. Ob die neue Fakultät tatsächlich zu einem Modell für andere europäische Hochschulen wird, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen. Schon jetzt steht jedoch fest, dass die Entscheidung der Universität Münster europaweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.