Mehr Scheidungen, weniger Hochzeiten: Deutschlands Ehen stehen unter Druck
Die Zahl der Scheidungen steigt wieder leicht an – gleichzeitig heiraten so wenige Menschen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Neue Zahlen zeigen, wie sich Beziehungen und Familien in Deutschland verändern.
6/27/20262 min read


Die Ehe bleibt für viele Paare ein wichtiger Schritt im Leben – doch aktuelle Zahlen zeigen, dass sich das Bild in Deutschland weiter verändert. Während die Zahl der Eheschließungen auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gefallen ist, wurden im vergangenen Jahr erneut etwas mehr Ehen geschieden als noch zuvor. Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamts zeichnen das Bild einer Gesellschaft, in der klassische Lebensmodelle zunehmend im Wandel sind.
Im Jahr 2025 wurden bundesweit rund 130.100 Ehen rechtskräftig geschieden. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich nach dem historischen Tiefpunkt im Jahr 2023 ein leichter Aufwärtstrend bei den Scheidungen fort. Trotz dieser Entwicklung liegt die Zahl der Trennungen allerdings weiterhin deutlich unter dem Niveau früherer Jahrzehnte. Verglichen mit dem Höchststand aus dem Jahr 2003 sind die Scheidungen inzwischen um rund 39 Prozent zurückgegangen.
Experten weisen darauf hin, dass der aktuelle Anstieg deshalb nicht automatisch auf eine grundsätzliche Krise der Ehe schließen lässt. Vielmehr handelt es sich bislang um eine vergleichsweise geringe Veränderung. Langfristig bleibt der Trend rückläufig – dennoch zeigt sich, dass sich nach mehreren Jahren sinkender Scheidungszahlen wieder eine leichte Gegenbewegung entwickelt.
Auffällig ist außerdem die Entwicklung bei den Eheschließungen. Im Jahr 2025 gaben sich deutschlandweit lediglich rund 348.800 Paare das Ja-Wort. Damit wurde der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1950 erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Hochzeiten nochmals leicht zurück.
Dass weniger Menschen heiraten, verändert zwangsläufig auch die langfristige Entwicklung der Scheidungszahlen. Schließlich können nur bestehende Ehen geschieden werden. Gleichzeitig entscheiden sich heute viele Paare bewusst für langfristige Partnerschaften ohne Trauschein oder verschieben eine Hochzeit auf einen späteren Lebensabschnitt.
Die durchschnittliche Ehe hielt im vergangenen Jahr 14 Jahre und sieben Monate, bevor sie geschieden wurde. Besonders interessant ist dabei, dass sich immer mehr Paare erst nach einer sehr langen gemeinsamen Zeit trennen. Rund 16 Prozent aller Scheidungen betrafen Ehen, die mindestens 25 Jahre bestanden hatten – also häufig erst nach der sogenannten Silberhochzeit endeten. Dieser Anteil ist deutlich höher als noch vor einigen Jahrzehnten.
Auch Familien mit Kindern bleiben von Trennungen betroffen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lebten bei mehr als der Hälfte der geschiedenen Paare noch minderjährige Kinder im Haushalt. Insgesamt waren dadurch über 113.000 Kinder unmittelbar von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Besonders häufig entfielen die Scheidungen auf Familien mit zwei oder mehr Kindern.
In den meisten Fällen verliefen die Scheidungsverfahren einvernehmlich. Rund neun von zehn Scheidungsanträgen wurden mit Zustimmung des jeweils anderen Ehepartners ausgesprochen. Die überwiegende Mehrheit der Ehen wurde – wie gesetzlich vorgesehen – nach mindestens einem Jahr Trennungszeit geschieden. Nur in vergleichsweise wenigen Fällen erfolgte die Scheidung nach einer längeren Trennungsphase oder unter besonderen rechtlichen Voraussetzungen.
Neben Ehen zwischen Mann und Frau wurden auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften geschieden. Ihr Anteil an allen Scheidungen lag weiterhin bei einem kleinen Prozentsatz, nahm jedoch gegenüber dem Vorjahr leicht zu. Gleichzeitig wurden auch etwas mehr gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen als im Jahr zuvor.
Die aktuellen Zahlen spiegeln einen gesellschaftlichen Wandel wider. Partnerschaften werden heute oftmals später eingegangen, Lebensentwürfe sind vielfältiger geworden und traditionelle Familienmodelle verändern sich zunehmend. Gleichzeitig bleibt die Ehe für viele Menschen ein bedeutender Bestandteil ihrer Lebensplanung – auch wenn sie statistisch seltener geschlossen wird als früher.
Ob sich der leichte Anstieg der Scheidungen in den kommenden Jahren fortsetzt oder lediglich eine vorübergehende Entwicklung darstellt, werden erst die nächsten Erhebungen zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt: Während Hochzeiten immer seltener werden, bleibt die Ehe in Deutschland weiterhin einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel unterworfen.