Krankschreibung vor dem Umbruch? Bundesregierung will Regeln verschärfen – Millionen Beschäftigte könnten betroffen sein

Die Bundesregierung nimmt die Krankschreibung ins Visier. Telefonische Krankmeldungen stehen auf dem Prüfstand, weitere Änderungen werden diskutiert. Was jetzt geplant ist und welche Folgen das für Arbeitnehmer haben könnte, erfährst du hier.

7/2/20262 min read

Deutsches ärztliches Attest und Stethoskop zur Veranschaulichung der neuen Regelungen zum Krankengel
Deutsches ärztliches Attest und Stethoskop zur Veranschaulichung der neuen Regelungen zum Krankengel
Die Diskussion um den hohen Krankenstand in Deutschland gewinnt weiter an Fahrt. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz beschäftigt sich mit möglichen Änderungen bei den Regeln zur Krankschreibung. Vor allem die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung steht dabei im Mittelpunkt der Debatte. Ziel der geplanten Maßnahmen ist es nach Angaben der Regierung, möglichen Missbrauch einzudämmen und gleichzeitig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes zu stärken.

Auslöser der Diskussion sind die weiterhin hohen Krankheitszahlen in Deutschland. Nach Einschätzung der Bundesregierung fallen Beschäftigte im internationalen Vergleich überdurchschnittlich häufig krankheitsbedingt aus. Kanzler Friedrich Merz hatte mehrfach erklärt, dass über bestehende Regelungen gesprochen werden müsse, um Fehlanreize zu vermeiden und die Zahl der Krankheitstage langfristig zu senken.

Besonders im Fokus steht die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Dieses Verfahren wurde ursprünglich während der Corona-Pandemie eingeführt, um Arztpraxen zu entlasten und Infektionsrisiken zu reduzieren. Inzwischen ist die telefonische Krankschreibung für bestimmte Erkrankungen weiterhin möglich. Innerhalb der Union wird jedoch seit Längerem darüber diskutiert, diese Regelung wieder einzuschränken oder vollständig abzuschaffen.

Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte bereits an, die bestehenden Regelungen überprüfen zu wollen. Im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, Maßnahmen gegen möglichen Missbrauch zu entwickeln. Nach Angaben der Ministerin gehe es dabei ausdrücklich nicht darum, kranke Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Vielmehr solle geprüft werden, ob die derzeitigen Vorschriften noch zeitgemäß seien und ob Anpassungen notwendig werden.

Die Debatte sorgt jedoch für deutliche Kritik. Krankenkassen und zahlreiche Experten weisen darauf hin, dass es bislang keine belastbaren Hinweise darauf gebe, dass die telefonische Krankschreibung zu einem flächendeckenden Missbrauch geführt habe. Analysen verschiedener Krankenkassen deuten vielmehr darauf hin, dass der Anstieg der Krankmeldungen unter anderem auf die inzwischen vollständig eingeführte elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückzuführen ist. Dadurch werden Fehlzeiten heute deutlich vollständiger erfasst als noch vor einigen Jahren. Auch Atemwegserkrankungen sowie psychische Belastungen gelten weiterhin als wesentliche Ursachen für den hohen Krankenstand.

Während Arbeitgeberverbände teilweise strengere Regeln fordern, warnen Arbeitnehmervertreter vor vorschnellen Entscheidungen. Sie befürchten, dass Beschäftigte künftig trotz Krankheit eher zur Arbeit gehen könnten, wenn die Hürden für eine Krankschreibung steigen. Dies könne sowohl die Gesundheit der Betroffenen als auch die Ansteckungsgefahr in Betrieben erhöhen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass viele Beschäftigte die telefonische Krankschreibung als sinnvolle Entlastung empfinden, insbesondere bei leichten Infekten oder wenn lange Wartezeiten in Arztpraxen vermieden werden können.

Auch innerhalb der Politik gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während Vertreter der Union eine strengere Kontrolle begrüßen, sprechen sich andere Parteien gegen eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung aus. Ihrer Ansicht nach sollten stattdessen die eigentlichen Ursachen für den hohen Krankenstand stärker untersucht werden. Dazu zählen unter anderem Personalmangel, steigender Arbeitsdruck sowie zunehmende psychische Belastungen im Berufsalltag.

Fest steht bislang: Eine endgültige Entscheidung über konkrete Änderungen ist noch nicht gefallen. Die Bundesregierung hat zunächst angekündigt, die bestehenden Regelungen umfassend zu überprüfen und anschließend mögliche Reformen vorzulegen. Welche Maßnahmen letztlich umgesetzt werden, hängt auch von den Beratungen innerhalb der Regierungskoalition ab.

Für Arbeitnehmer bedeutet das derzeit vor allem eines: Die aktuellen Regeln gelten zunächst weiter. Dennoch dürfte die Diskussion über die Zukunft der Krankschreibung in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen. Sollte es zu gesetzlichen Änderungen kommen, könnten Millionen Beschäftigte in Deutschland künftig mit neuen Vorgaben bei der Krankmeldung konfrontiert werden. Ob tatsächlich strengere Regeln eingeführt werden oder lediglich einzelne Details angepasst werden, bleibt vorerst abzuwarten.

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