KI-Roboter im Schulprojekt NRW: Rechte Parolen

Ein Schulprojekt in NRW sorgt für hitzige Diskussionen. Ein KI-Roboter simuliert rechte Parolen, um Schülern zu helfen, angemessen zu reagieren. Kritiker warnen vor politischer Einflussnahme im Klassenzimmer.

5/7/20263 min read

Students training with an AI robot to practice democratic discussions against right-wing slogans.
Students training with an AI robot to practice democratic discussions against right-wing slogans.
In einem Schulprojekt in Nordrhein-Westfalen sorgt derzeit ein ungewöhnlicher Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Aufsehen. An einem Gymnasium wurde ein sozialer KI-Roboter so programmiert, dass er gezielt provokante und politisch rechte Aussagen äußert. Ziel des Projekts war es laut den Verantwortlichen, Schüler auf Diskussionen mit radikalisierten Personen im Alltag vorzubereiten – etwa bei Familienfeiern oder auf dem Schulhof.

Entwickelt wurde das Konzept von einer Doktorandin der Universität Siegen. Gemeinsam mit Schülern eines Gymnasiums arbeitete sie daran, typische politische Streitgespräche zu simulieren. Der eingesetzte Roboter namens „Navel“ sollte dabei die Rolle eines „rechten Onkels“ übernehmen und entsprechende Aussagen vertreten, damit Jugendliche lernen, argumentativ darauf zu reagieren.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen entstand die Idee aus Gesprächen mit Schülern selbst. Viele Jugendliche hätten berichtet, im Alltag immer häufiger mit populistischen oder fremdenfeindlichen Aussagen konfrontiert zu werden. Deshalb habe man einen geschützten Raum schaffen wollen, um den Umgang mit solchen Situationen zu trainieren.

Für die Umsetzung wurde ein Sprachmodell von ChatGPT verwendet. Interessant dabei: Laut der Projektleiterin habe sich eine neuere KI-Version geweigert, radikale oder diskriminierende Aussagen glaubwürdig zu simulieren. Deshalb griff man offenbar auf eine ältere Version zurück, um den Roboter entsprechend zu konfigurieren.

Während der Übungen äußerte der Roboter unter anderem Aussagen über Kriminalität, Migration oder angebliche Benachteiligungen durch Ausländer. Die Schüler sollten darauf reagieren, Gegenargumente formulieren und lernen, wie man in emotionalen Diskussionen ruhig bleibt.

Die Verantwortlichen sehen darin einen Beitrag zur sogenannten Demokratiebildung. Jugendliche sollten lernen, extremen Positionen argumentativ entgegenzutreten und Desinformation zu erkennen. Der Roboter diene dabei als Übungsplattform, ähnlich wie Simulationen in anderen Bildungsbereichen.

Allerdings stößt das Projekt nicht überall auf Zustimmung. Besonders in sozialen Netzwerken wird heftig diskutiert, ob Schulen damit eine politische Grenze überschreiten. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, einseitige politische Narrative zu vermitteln und konservative oder migrationskritische Meinungen pauschal mit Extremismus gleichzusetzen.

Auch die Auswahl der dargestellten Aussagen sorgt für Kritik. Einige Beobachter bemängeln, dass reale gesellschaftliche Debatten dadurch vereinfacht oder verzerrt dargestellt würden. Andere sehen die Gefahr, dass Schüler weniger zum offenen Diskurs ermutigt, sondern eher auf bestimmte politische Positionen festgelegt werden könnten.

Hinzu kommt die grundsätzliche Frage, wie weit Künstliche Intelligenz im Bildungsbereich eingesetzt werden sollte. Während Befürworter darin eine moderne Lernmethode sehen, warnen Kritiker vor emotionaler Manipulation und ideologischer Beeinflussung durch KI-Systeme.

Selbst die Schüler sollen laut Berichten angemerkt haben, dass der Roboter deutlich einfacher umzustimmen gewesen sei als reale Menschen. Genau darin sehen die Projektverantwortlichen allerdings keinen Nachteil. Das Ziel sei nicht gewesen, reale politische Konflikte exakt nachzubilden, sondern Jugendlichen erste Werkzeuge für schwierige Diskussionen an die Hand zu geben.

Die Debatte reiht sich in eine größere gesellschaftliche Diskussion über politische Bildung an Schulen ein. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Streit über Unterrichtsprojekte zu Themen wie Rassismus, Demokratie, Klimapolitik oder Extremismus. Während die einen darin notwendige Aufklärung sehen, sprechen andere von zunehmender Ideologisierung des Unterrichts.

Unabhängig von der politischen Bewertung zeigt das Projekt vor allem eines: Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in Klassenzimmer und Bildungsprojekte. Die Frage, wie neutral oder politisch solche Systeme künftig eingesetzt werden, dürfte daher noch häufiger diskutiert werden.

Besonders brisant ist dabei, dass KI-Systeme nicht nur Informationen liefern, sondern aktiv Gesprächssituationen simulieren und emotionale Reaktionen hervorrufen können. Damit verändert sich auch die Rolle digitaler Technologien im Bildungsbereich grundlegend.

Ob sich solche Projekte langfristig durchsetzen oder eher als umstrittene Experimente in Erinnerung bleiben, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Einsatz von KI in politischen und gesellschaftlichen Bildungsfragen wird Deutschland noch länger beschäftigen.

Quellen: Recherchen und Informationen unter anderem von Apollo News, Universität Siegen sowie weiteren öffentlich zugänglichen Medienberichten und Projektbeschreibungen.