Hamburgs Hotels für Flüchtlinge: Kosten und Raumknappheit
Angesichts steigender Kosten und knappen Wohnraums setzt Hamburg weiterhin auf Hotels für Flüchtlinge. Erfahren Sie, warum die Stadt an diesem Ansatz festhält und welche Pläne für die Zukunft bestehen.
4/25/20263 min read
Die Unterbringung von Geflüchteten stellt viele deutsche Großstädte weiterhin vor große Herausforderungen – besonders in Ballungsräumen mit ohnehin angespanntem Wohnungsmarkt. Ein Beispiel dafür ist Hamburg, wo die Stadt seit Jahren erhebliche finanzielle Mittel aufwendet, um ausreichend Unterkünfte bereitzustellen. Dabei spielen Hotels und ähnliche Einrichtungen eine zentrale Rolle als kurzfristige Lösung.
Nach aktuellen Zahlen belaufen sich die Gesamtausgaben für die Versorgung, Unterbringung und Integration von Geflüchteten in Hamburg auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich. Bereits im Jahr 2024 lagen die Gesamtkosten bei rund 550 Millionen Euro.
Ein bedeutender Anteil dieser Summe entfällt auf die Unterbringung in Hotels und Hostels – eine Maßnahme, die ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht war.
Hotels als Notlösung bei Platzmangel
Die Nutzung von Hotels ist vor allem auf den Mangel an regulären Unterkünften zurückzuführen. Obwohl Hamburg über zehntausende Plätze in öffentlichen Einrichtungen verfügt, sind diese nahezu ausgelastet. Aktuell liegt die Auslastung bei über 90 Prozent.
Um dennoch alle Schutzsuchenden unterbringen zu können, greift die Stadt auf Hotels zurück. Diese sogenannten „Interimsstandorte“ bieten kurzfristig zusätzliche Kapazitäten, sind jedoch deutlich teurer als klassische Unterkünfte.
Allein im ersten Halbjahr 2025 gab Hamburg über 86 Millionen Euro für die Unterbringung von Geflüchteten in rund 50 Hotels aus.
Die Kosten pro Person liegen dabei im Schnitt bei etwa 80 Euro pro Tag. In diesem Betrag sind neben der Unterkunft auch Verpflegung, Sicherheitsdienste und organisatorische Aufwendungen enthalten.
Tausende Menschen in Hotels untergebracht
Mehrere tausend Geflüchtete leben aktuell in Hamburger Hotels. Ein Großteil von ihnen stammt aus der Ukraine, da für diese Gruppe besondere Aufnahme- und Schutzregelungen gelten.
Insgesamt sind über 40.000 Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung registriert. Der Anteil derjenigen, die in Hotels leben, liegt bei etwa zehn bis zwölf Prozent.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass Hotels zwar nur einen Teil der Unterbringung ausmachen, jedoch einen erheblichen Kostenfaktor darstellen.
Hohe Kosten im bundesweiten Vergleich
Hamburg steht mit diesem Problem nicht allein da. Auch andere Großstädte wie Berlin, Köln oder München greifen auf Hotels zurück, um kurzfristig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.
Insgesamt geben deutsche Städte jährlich hohe Summen für diese Form der Unterbringung aus. Laut verschiedenen Erhebungen summierten sich die Kosten allein in mehreren Großstädten innerhalb eines halben Jahres auf weit über 100 Millionen Euro.
Besonders in Metropolen mit angespanntem Wohnungsmarkt bleibt diese Lösung vorerst unvermeidbar, da alternative Unterkünfte nicht schnell genug geschaffen werden können.
Kritik und strukturelle Probleme
Die Nutzung von Hotels wird regelmäßig kritisch diskutiert. Ein zentraler Punkt ist die Kostenfrage: Im Vergleich zu regulären Unterkünften ist diese Form der Unterbringung deutlich teurer.
Zudem wird bemängelt, dass Hotels langfristig keine nachhaltige Lösung darstellen. Sie sind primär für kurzfristige Aufenthalte konzipiert und bieten oft keine geeignete Infrastruktur für eine längerfristige Unterbringung oder Integration.
Gleichzeitig steht die Politik vor einem Dilemma: Einerseits besteht die Verpflichtung, Geflüchteten eine Unterkunft bereitzustellen. Andererseits fehlt es vielerorts an geeigneten Flächen und Immobilien, um schnell neue Kapazitäten aufzubauen.
Perspektive: Rückkehr zu regulären Unterkünften
Die Hamburger Behörden betonen, dass die Nutzung von Hotels langfristig reduziert werden soll. Ziel ist es, Geflüchtete wieder verstärkt in regulären Wohnunterkünften unterzubringen.
Dazu werden neue Unterkünfte geplant und bestehende Kapazitäten ausgebaut. Dennoch dürfte dieser Prozess Zeit in Anspruch nehmen, da Bauprojekte und Umstrukturierungen nicht kurzfristig umgesetzt werden können.
Bis dahin bleibt die Unterbringung in Hotels ein wichtiger Bestandteil der Strategie – trotz der hohen Kosten.
Fazit
Hamburg steht exemplarisch für die Herausforderungen vieler Großstädte in Deutschland: steigende Kosten, begrenzter Wohnraum und ein hoher organisatorischer Aufwand bei der Unterbringung von Geflüchteten.
Die Nutzung von Hotels ist dabei ein pragmatischer, aber teurer Kompromiss. Kurzfristig ermöglicht er die Versorgung vieler Menschen, langfristig stellt er jedoch keine nachhaltige Lösung dar.
Wie schnell es gelingt, auf günstigere und dauerhafte Unterkünfte umzusteigen, wird entscheidend dafür sein, wie sich die Kostenentwicklung in den kommenden Jahren gestaltet.
Quellen: Eigene Zusammenstellung auf Basis von Berichten von NIUS, t-online und weiteren öffentlich zugänglichen Informationen.