Zahl der Rentner in Deutschland steigt
Die Zahl der Rentner in Deutschland, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, wächst, insbesondere unter ausländischen Senioren. Erfahren Sie mehr über die Veränderungen im Sozialsystem und die zugrunde liegenden Faktoren.
4/27/20263 min read
Die Zahl der Menschen, die im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, steigt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich an. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung bei ausländischen Senioren: Ihr Anteil unter den Empfängern der sogenannten Grundsicherung im Alter ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.
Grundsätzlich handelt es sich bei der Grundsicherung im Alter um eine Sozialleistung für Rentnerinnen und Rentner, deren Einkommen nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu decken. Sie soll das Existenzminimum sichern und wird ergänzend zur Rente gezahlt.
Deutlicher Anstieg der Gesamtzahlen
Aktuellen Daten zufolge ist die Gesamtzahl der Empfänger dieser Leistung zwischen Ende 2020 und Ende 2025 erheblich gestiegen. Während im Jahr 2020 noch rund 564.000 Menschen Grundsicherung im Alter bezogen, waren es fünf Jahre später bereits über 760.000.
Dieser Anstieg zeigt, dass Altersarmut in Deutschland zunehmend ein Thema wird. Immer mehr Rentner sind auf zusätzliche Unterstützung angewiesen, weil ihre eigenen Einkünfte nicht ausreichen.
Unterschiedliche Entwicklung bei Deutschen und Ausländern
Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt jedoch, dass sich die Entwicklung nicht bei allen Gruppen gleich vollzieht. Während die Zahl der deutschen Empfänger in diesem Zeitraum moderat zunahm, fiel der Anstieg bei ausländischen Senioren deutlich stärker aus.
So erhöhte sich die Zahl deutscher Leistungsempfänger um rund 19 Prozent. Bei ausländischen Senioren dagegen lag das Wachstum bei etwa 80 Prozent.
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass sich auch der Anteil verändert hat: Lag der Anteil ausländischer Empfänger im Jahr 2020 noch bei rund 27 Prozent, so beträgt er inzwischen etwa 36 Prozent. Damit ist heute mehr als jeder dritte Bezieher von Grundsicherung im Alter kein deutscher Staatsbürger.
Kosten für den Staat steigen
Parallel zu den steigenden Empfängerzahlen wachsen auch die Ausgaben für diese Sozialleistung. Innerhalb weniger Jahre haben sich die Kosten deutlich erhöht.
Während im Jahr 2020 noch etwa 3,3 Milliarden Euro für die Grundsicherung im Alter aufgewendet wurden, lag der Betrag 2023 bereits bei über 4 Milliarden Euro und 2024 bei rund 5 Milliarden Euro.
Die steigenden Ausgaben stellen eine zusätzliche Belastung für den Staatshaushalt dar und sorgen zunehmend für politische Diskussionen über die langfristige Finanzierbarkeit des Systems.
Einfluss einzelner Gruppen
Besonders stark ist der Anstieg bei bestimmten Herkunftsgruppen zu beobachten. Eine wichtige Rolle spielen dabei Menschen aus der Ukraine. Seit 2022 haben ukrainische Staatsangehörige in Deutschland leichter Zugang zu Sozialleistungen, was sich auch bei der Grundsicherung im Alter bemerkbar macht.
Die Zahl ukrainischer Senioren, die diese Leistung beziehen, hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht – von unter 20.000 im Jahr 2020 auf über 100.000 im Jahr 2025.
Auch bei Personen aus klassischen Asylherkunftsländern ist ein deutlicher Zuwachs zu erkennen. Hierzu zählen unter anderem Menschen aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak. Insgesamt ist die Zahl der Empfänger aus diesen Ländern ebenfalls deutlich gestiegen.
Unterschiede bei den Bezugsquoten
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sogenannte Bezugsquote – also der Anteil der jeweiligen Bevölkerungsgruppe, der tatsächlich Grundsicherung erhält.
Hier zeigen sich deutliche Unterschiede: Während nur ein vergleichsweise kleiner Teil der deutschen Rentner auf diese Leistung angewiesen ist, liegt der Anteil bei ausländischen Senioren deutlich höher. Bereits vor einigen Jahren bezog ein erheblicher Anteil dieser Gruppe Grundsicherung.
Experten führen dies unter anderem auf unterschiedliche Erwerbsbiografien zurück. Viele ausländische Arbeitnehmer haben in der Vergangenheit geringere Einkommen erzielt oder kürzere Zeiträume in die Rentenversicherung eingezahlt. Dadurch fallen ihre Rentenansprüche oft niedriger aus.
Zuwanderung als Faktor
Ein weiterer Aspekt ist die Zuwanderung selbst. Grundsätzlich haben auch ausländische Staatsbürger Anspruch auf Grundsicherung im Alter, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Insbesondere seit den vergangenen Jahren hat die Migration nach Deutschland zugenommen, wodurch auch mehr Menschen im Rentenalter in das System eintreten.
Allerdings ist die Debatte darüber politisch umstritten. Während einige Stimmen den Anstieg vor allem auf Zuwanderung zurückführen, weisen andere darauf hin, dass Altersarmut insgesamt wächst und viele Faktoren eine Rolle spielen – etwa steigende Lebenshaltungskosten, unterbrochene Erwerbsbiografien oder strukturelle Probleme im Rentensystem.
Altersarmut als gesamtgesellschaftliches Problem
Unabhängig von der Herkunft zeigt sich vor allem eines: Immer mehr Menschen im Rentenalter sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Die steigenden Zahlen betreffen die gesamte Gesellschaft und werfen grundlegende Fragen zur Zukunft der Altersvorsorge auf.
Auch andere Statistiken bestätigen den Trend: Die Zahl der Rentner mit Anspruch auf Grundsicherung hat in den letzten Jahren ein Rekordniveau erreicht.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben Migration spielen auch Faktoren wie Niedriglöhne, Teilzeitbeschäftigung oder lange Phasen ohne Erwerbstätigkeit eine Rolle.
Fazit
Die Entwicklung der Grundsicherung im Alter zeigt eine klare Tendenz: Sowohl die Zahl der Empfänger als auch die Kosten steigen kontinuierlich. Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Betroffenen.
Der wachsende Anteil ausländischer Senioren ist dabei ein auffälliger Teil dieser Entwicklung, erklärt aber nicht allein den Anstieg. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel aus demografischen Veränderungen, wirtschaftlichen Faktoren und politischen Entscheidungen.
Für die Zukunft stellt sich daher die zentrale Frage, wie das System der Altersvorsorge und sozialen Absicherung langfristig stabil und gerecht gestaltet werden kann.
Quellen: Eigene Darstellung nach NIUS, Statistischem Bundesamt und weiteren öffentlich zugänglichen Daten und Berichten.