Hitzewelle sorgt für Ärger in Brüssel: Klimaanlage fällt für Tausende EU-Mitarbeiter aus – Chefetagen bleiben gekühlt
Mitten in der Hitzewelle müssen tausende Beschäftigte der EU-Kommission ohne Klimaanlage arbeiten – während in den oberen Etagen die Kühlung weiterläuft. Die Entscheidung sorgt intern für heftige Kritik und hitzige Debatten.
6/28/20262 min read


Die anhaltende Hitzewelle in Europa hat nun auch die Europäische Kommission in Brüssel vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Ausgerechnet während die Temperaturen auf Rekordniveau steigen, wurde im Berlaymont-Gebäude – dem Hauptsitz der EU-Kommission – die Klimaanlage in mehreren Bereichen außer Betrieb genommen. Besonders brisant: Betroffen waren vor allem die unteren Stockwerke, während die Büros der Führungsebene weiterhin gekühlt wurden.
Nach internen Mitteilungen mussten die Klimaanlagen in den Etagen eins bis sieben aufgrund der außergewöhnlichen Wetterbedingungen vorübergehend abgeschaltet werden. Rund 3.000 Beschäftigte erhielten darüber eine kurzfristige Information und mussten den restlichen Arbeitstag ohne aktive Kühlung verbringen.
In den höheren Etagen des Gebäudes blieb die Situation dagegen offenbar unverändert. Dort befinden sich unter anderem die Büros von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie der meisten EU-Kommissare. Nach übereinstimmenden Medienberichten lief die Klimatisierung in diesen Bereichen weiterhin.
Die unterschiedliche Behandlung sorgte innerhalb der Behörde für deutlichen Unmut. Mehrere Mitarbeiter äußerten gegenüber Medien anonym ihren Ärger über die Situation. Einzelne bezeichneten die Entscheidung als ungerecht und kritisierten, dass ausgerechnet die Führungsebene von den Einschränkungen verschont geblieben sei. In Berichten war sogar von Vergleichen mit einem „feudalen System“ die Rede.
Dabei waren die Bedingungen selbst in den klimatisierten Bereichen keineswegs angenehm. Ein Mitarbeiter berichtete, dass dort trotz laufender Kühlung Temperaturen von rund 25 Grad Celsius gemessen wurden. In den nicht gekühlten Stockwerken dürfte die Belastung entsprechend deutlich höher gewesen sein.
Die Europäische Kommission hatte ihre Beschäftigten bereits zu Beginn der Hitzewelle auf erhöhte Temperaturen vorbereitet. In internen Hinweisen wurde empfohlen, ausreichend Wasser zu trinken, körperliche Belastungen möglichst zu vermeiden und – wenn möglich – den Arbeitstag früher zu beginnen, um die heißesten Stunden zu umgehen.
Nicht alle Beschäftigten konnten diesen Empfehlungen jedoch viel abgewinnen. Wer in Büros ohne funktionierende Kühlung arbeiten musste, empfand die Hinweise laut Medienberichten als wenig hilfreich. Gerade während extremer Temperaturen seien praktische Lösungen wichtiger als allgemeine Verhaltenstipps, lautete sinngemäß die Kritik.
Hintergrund der Abschaltung sollen technische Belastungen des Kühlsystems gewesen sein. Durch die außergewöhnlich hohen Außentemperaturen gerieten die Anlagen offenbar an ihre Leistungsgrenzen. Um das System zu stabilisieren und größere Ausfälle zu verhindern, entschied man sich demnach, die Kühlung in einem Teil des Gebäudes vorübergehend zu deaktivieren.
Die Ereignisse zeigen, wie stark die derzeitige Hitzewelle selbst moderne Verwaltungsgebäude unter Druck setzt. Auch andere Institutionen in Brüssel hatten zuletzt mit den Folgen der hohen Temperaturen zu kämpfen. So kam es Berichten zufolge im Europäischen Parlament zeitweise zu Problemen mit der Stromversorgung, nachdem die Kühlsysteme dauerhaft unter Volllast betrieben wurden.
Die Diskussion über die Vorgänge in der EU-Kommission dürfte dennoch weitergehen. Kritiker bemängeln vor allem den Eindruck einer Ungleichbehandlung zwischen Führungsebene und Mitarbeitern. Während die technische Notwendigkeit einer Abschaltung grundsätzlich nachvollziehbar sein mag, sorgt insbesondere die unterschiedliche Verteilung der Einschränkungen für Diskussionen.
Ob die Kommission ihre internen Abläufe oder die technische Infrastruktur künftig anpassen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass extreme Wetterlagen inzwischen nicht mehr nur den Alltag der Bevölkerung beeinflussen, sondern zunehmend auch Behörden, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen vor organisatorische und technische Herausforderungen stellen.
Die Vorfälle in Brüssel verdeutlichen zudem, dass Fragen rund um den Hitzeschutz am Arbeitsplatz künftig weiter an Bedeutung gewinnen könnten. Angesichts häufiger auftretender Hitzeperioden dürften viele Arbeitgeber prüfen müssen, wie sich Beschäftigte besser vor extremen Temperaturen schützen lassen – unabhängig davon, in welcher Etage sie arbeiten.