Hessen fördert queere Kinder- und Jugendbücher
Das Land Hessen unterstützt erstmals gezielt queere Kinder- und Jugendbücher mit einem neuen Förderprogramm. Autoren und Illustratoren können sich auf Stipendien, Workshops in Schweden und Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse bewerben.
5/21/20262 min read
Der Ausbau von Diversität und queeren Themen in Kinder- und Jugendbüchern wird in Hessen künftig gezielt gefördert. Mit dem neuen sogenannten „Buntstift-Stipendium“ will das Land kreative Projekte unterstützen, die sich mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten und Lebensrealitäten beschäftigen. Angesprochen werden dabei insbesondere Autoren und Illustratoren, die Geschichten für junge Leser entwickeln möchten.
Das Förderprogramm richtet sich an Kreative mit Bezug zu Hessen, die an neuen deutschsprachigen Kinder- oder Jugendbüchern arbeiten. Im Mittelpunkt stehen Werke, in denen queere Figuren oder entsprechende gesellschaftliche Themen eine zentrale Rolle spielen. Nach Angaben der Organisatoren sollen dadurch vielfältigere Perspektiven in der Kinder- und Jugendliteratur sichtbarer gemacht werden.
Zu den Themenfeldern zählen unter anderem homosexuelle, bisexuelle, transgeschlechtliche oder nichtbinäre Identitäten. Auch Geschichten über genderfluide oder intergeschlechtliche Figuren sollen ausdrücklich berücksichtigt werden. Entscheidend für die Auswahl seien laut Ausschreibung sowohl die kreative Idee als auch die literarische beziehungsweise zeichnerische Qualität der eingereichten Arbeiten.
Das Stipendium umfasst mehrere Bestandteile. Die ausgewählten Teilnehmer sollen zunächst an einer internationalen Kinderbuchkonferenz im schwedischen Småland teilnehmen. Dort sind Workshops, Vorträge und Austauschformate mit internationalen Kreativen geplant. Im Anschluss folgt ein mehrwöchiger Arbeitsaufenthalt in Schweden, bei dem die Projekte weiterentwickelt werden können. Zusätzlich erhalten die Stipendiaten ein Mentoring durch eine Verlagslektorin.
Neben der kreativen Förderung beinhaltet das Programm auch öffentliche Präsentationen. Vorgesehen sind Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse sowie bei Veranstaltungen rund um den sogenannten „Vielfalter“-Literaturpreis. Dieser Preis widmet sich gezielt Werken, die gesellschaftliche Vielfalt und unterschiedliche Lebensentwürfe im Kinder- und Jugendbuch thematisieren.
Finanziell ist das Stipendium ebenfalls ausgestattet: Teilnehmer erhalten eine Förderung in Höhe von 1.000 Euro. Hinzu kommen Reise- und Aufenthaltskosten für Konferenz und Arbeitsphase im Ausland, die übernommen werden. Bewerbungen sind bis Ende Juni möglich.
Das Projekt reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, bei der öffentliche Stellen verstärkt Programme zur Förderung sexueller und gesellschaftlicher Vielfalt unterstützen. Befürworter sehen darin einen wichtigen Beitrag zu mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die sich in klassischen Geschichten häufig nicht wiederfinden würden.
Kritiker solcher Programme argumentieren hingegen, staatliche Förderungen sollten politisch und gesellschaftlich neutraler ausgestaltet werden. Vor allem wenn Themen rund um Geschlechtsidentität oder Sexualität gezielt an junge Zielgruppen herangetragen würden, entstehe regelmäßig eine öffentliche Debatte über die Rolle staatlicher Kulturförderung und pädagogischer Inhalte.
Die Organisatoren betonen dagegen, dass Literatur schon immer gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen habe. Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen ein breiteres Spektrum an Figuren und Lebensrealitäten zu zeigen. Gerade Bücher könnten helfen, Vorurteile abzubauen und unterschiedliche Perspektiven verständlicher zu machen.
In Deutschland gewinnt das Thema Diversität in Kinder- und Jugendmedien seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Verlage veröffentlichen verstärkt Bücher mit Figuren unterschiedlicher Herkunft, Identität oder Familienmodelle. Auch Schulen, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen setzen vielerorts auf ein breiteres Angebot entsprechender Literatur.
Mit dem neuen Förderprogramm positioniert sich Hessen nun ausdrücklich als Unterstützer solcher Projekte. Ob das „Buntstift-Stipendium“ langfristig Einfluss auf die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur haben wird, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die Debatte über gesellschaftliche Vielfalt, staatliche Förderung und die Inhalte von Kinderbüchern bleibt weiterhin ein kontrovers diskutiertes Thema.
Quellen: Recherchen und Informationen unter anderem von Junge Freiheit, Hessischer Literaturrat, Frankfurter Buchmesse sowie öffentlichen Ausschreibungsunterlagen des Förderprogramms.