EUROPOL-BERICHT 2026: Jihadistischer Terror machte 2025 mehr als die Hälfte der registrierten Terroranschläge in der EU aus

Neue Zahlen von Europol zeigen die Verteilung terroristischer Anschläge in der EU: Von 45 für das Jahr 2025 erfassten vollendeten, gescheiterten oder vereitelten Anschlägen wurden 24 dem jihadistischen Terrorismus zugerechnet. Zwölf entfielen auf linken und anarchistischen Terrorismus, fünf auf rechten Terrorismus. Besonders deutlich fällt auch die Opferbilanz jihadistischer Anschläge aus.

7/28/20263 min read

Ein Europol-Beamter in taktischer Ausrüstung steht nachts vor einer Stadt mit einem Text über den EU
Ein Europol-Beamter in taktischer Ausrüstung steht nachts vor einer Stadt mit einem Text über den EU
Der neue Terrorismusbericht von Europol liefert einen umfassenden Überblick über die Sicherheitslage innerhalb der Europäischen Union. Die Daten für das Jahr 2025 zeigen dabei deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen des Terrorismus. Gleichzeitig warnt die europäische Polizeibehörde vor einer zunehmend komplexen Radikalisierung im digitalen Raum.

Die europäische Polizeibehörde Europol hat mit dem European Union Terrorism Situation and Trend Report 2026 (EU TE-SAT) ihre aktuelle Analyse zur terroristischen Bedrohung innerhalb der Europäischen Union veröffentlicht. Der Bericht erschien am 13. Juli 2026 und basiert unter anderem auf Informationen der EU-Mitgliedstaaten und Europol-Partner.

Die Zahlen beziehen sich dabei überwiegend auf das Jahr 2025.

Insgesamt wurden Europol zufolge 45 terroristische Anschläge in zehn EU-Mitgliedstaaten registriert. Wichtig für die Einordnung: In dieser Gesamtzahl sind nicht ausschließlich tatsächlich ausgeführte Anschläge enthalten. Europol zählt 22 vollendete Anschläge, 20 vereitelte Anschlagsversuche und drei gescheiterte Anschläge.

24 von 45 Anschlägen jihadistisch eingeordnet

Den größten Anteil bildete nach Angaben von Europol der jihadistische Terrorismus. Insgesamt wurden 24 der 45 registrierten Fälle dieser Kategorie zugerechnet. Damit machte sie mehr als die Hälfte aller von Europol für 2025 erfassten vollendeten, gescheiterten und vereitelten Terroranschläge aus.

Auf linken und anarchistischen Terrorismus entfielen zwölf Fälle. Weitere fünf Anschläge wurden dem rechten Terrorismus zugeordnet. Die übrigen vier Fälle entfielen entsprechend der Europol-Kategorisierung auf andere beziehungsweise nicht näher spezifizierte Formen.

Die reine Anzahl der Anschläge erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Besonders relevant ist auch die Frage, welche Folgen die unterschiedlichen Formen terroristischer Gewalt tatsächlich hatten.

Jihadistische Anschläge mit den meisten Opfern

Hier zeigt der Europol-Bericht ein besonders deutliches Bild: Jihadistische Anschläge verursachten 2025 insgesamt fünf Todesopfer und 81 Verletzte. Darüber hinaus registrierte Europol ein Todesopfer infolge eines rechtsextremen Anschlags.

Damit bleibt jihadistischer Terrorismus nach Einschätzung Europols eine zentrale terroristische Bedrohung innerhalb der Europäischen Union.

Das zeigt sich ebenfalls bei den Festnahmen. Insgesamt wurden laut Europol 486 Personen in 21 EU-Mitgliedstaaten wegen terroristischer Straftaten festgenommen. Davon standen 347 Festnahmen im Zusammenhang mit jihadistischem Terrorismus – rund 71 Prozent aller registrierten Festnahmen.

Dabei ging es keineswegs ausschließlich um konkrete Anschlagsplanungen. Europol zufolge betrafen mehr als 70 Prozent der jihadismusbezogenen Fälle terroristische Propaganda und Unterstützungsaktivitäten. Ein Schwerpunkt der europäischen Terrorismusbekämpfung liegt somit darauf, Radikalisierung und Mobilisierung möglichst frühzeitig zu unterbrechen.

Europol warnt vor veränderter Radikalisierung im Internet

Neben den Statistiken beschreibt der Bericht eine Entwicklung, die für Sicherheitsbehörden langfristig möglicherweise noch bedeutender ist: Die Strukturen extremistischer Radikalisierung verändern sich.

Nach Einschätzung Europols ermöglichen digitale Plattformen und Online-Communitys zunehmend dezentrale Netzwerke, Einzeltäter und kleine selbstorganisierte Gruppen. Für die Entstehung einer terroristischen Bedrohung ist damit nicht mehr zwangsläufig eine große, hierarchisch organisierte Terrororganisation erforderlich.

Hinzu kommt, dass sich persönliche Motive und extremistische Ideologien teilweise vermischen. Persönliche Frustration, die Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit oder eine allgemeine Faszination für Gewalt können laut Europol neben politischen oder religiös-extremistischen Überzeugungen eine Rolle spielen.

Das erschwert die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Wenn Täter nicht mehr eindeutig einem traditionellen extremistischen Milieu zugeordnet werden können und sich verschiedene Narrative überschneiden, können klassische Frühwarnsignale schwieriger zu erkennen sein.

Terrorismus wird fragmentierter und schwerer vorhersehbar

Der EU TE-SAT 2026 zeigt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Einerseits bleibt ideologisch geprägter Terrorismus die zentrale Grundlage der registrierten terroristischen Aktivitäten, wobei der jihadistische Terrorismus 2025 sowohl hinsichtlich der Zahl der Fälle als auch bei Festnahmen besonders stark vertreten war.

Andererseits warnt Europol vor einer zunehmend fragmentierten und weniger vorhersehbaren Bedrohungslage, in der digitale Radikalisierung, persönliche Motive und unterschiedliche extremistische Weltbilder ineinandergreifen können.

Für die öffentliche Debatte ist zudem entscheidend, die Zahlen korrekt zu interpretieren: Die 45 Fälle entsprechen nicht 45 erfolgreich ausgeführten Terroranschlägen. Darin enthalten sind ausdrücklich auch vereitelte und gescheiterte Versuche. Von den insgesamt registrierten Fällen wurden 22 tatsächlich vollendet.

Die Statistik zeigt deshalb sowohl das tatsächliche Anschlagsgeschehen als auch Fälle, in denen Sicherheitsbehörden einen Anschlag verhindern konnten oder dessen Durchführung scheiterte.

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