Clankriminalität steigt weiter: Mehrheit der Tatverdächtigen hat keinen deutschen Pass
Die Zahl der registrierten Straftaten im Bereich der Clankriminalität nimmt weiter zu. Besonders brisant: Mehr als die Hälfte der erfassten Tatverdächtigen besitzt keinen deutschen Pass. Die neuen Zahlen verschärfen die Debatte über Abschiebungen, Strafverfolgung und die Sicherheitspolitik in Berlin.
7/11/20262 min read


Die registrierte Clankriminalität in Berlin ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Neue Zahlen aus der Hauptstadt zeigen sowohl einen Zuwachs bei den erfassten Straftaten als auch bei den Tatverdächtigen. Die Entwicklung sorgt erneut für politische Diskussionen über wirksamere Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität sowie über den Umgang mit ausländischen Straftätern.
Nach Angaben aus einer Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine parlamentarische Anfrage wurden im vergangenen Jahr 952 Straftaten dem Bereich der Clankriminalität zugeordnet. Im Vorjahr waren es noch 851 Fälle. Parallel dazu erhöhte sich die Zahl der erfassten Tatverdächtigen auf 342 Personen. Damit setzt sich der Trend fort, dass Sicherheitsbehörden diesen Kriminalitätsbereich weiterhin als bedeutende Herausforderung einstufen.
Besonders im Fokus steht die Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen. Laut den vorliegenden Zahlen besitzen 54 Prozent keinen deutschen Pass. Diese Angabe bezieht sich auf die erfassten Tatverdächtigen und lässt keine unmittelbaren Rückschlüsse auf rechtskräftige Verurteilungen oder allgemeine Kriminalitätsraten zu. Dennoch wird die Statistik von verschiedenen politischen Akteuren als Hinweis auf Handlungsbedarf bewertet.
Für Diskussionen sorgt außerdem die Frage, welche Konsequenzen gegen ausländische Straftäter tatsächlich umgesetzt werden. Nach den vorliegenden Informationen konnte der Berliner Senat keine Angaben dazu machen, wie viele ausländische Tatverdächtige aus dem Bereich der Clankriminalität abgeschoben wurden oder aufgrund bestehender Straftaten abgeschoben werden könnten. Kritiker sehen darin ein Zeichen dafür, dass entsprechende Daten bislang nicht ausreichend erfasst oder ausgewertet werden.
Clankriminalität umfasst nach der Definition der Sicherheitsbehörden verschiedene Formen organisierter Kriminalität, bei denen familiäre oder clanähnliche Strukturen eine Rolle spielen können. Dazu zählen unter anderem Drogendelikte, Eigentumsdelikte, Betrugsfälle, Gewaltstraftaten sowie Geldwäsche. Die Behörden betonen seit Jahren, dass sich diese Strukturen häufig durch eine hohe Abschottung, enge familiäre Netzwerke und wirtschaftliche Verflechtungen auszeichnen.
Seit mehreren Jahren setzen Polizei und Staatsanwaltschaft verstärkt auf koordinierte Großkontrollen, Vermögensabschöpfung und Razzien gegen mutmaßliche Clanstrukturen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, kriminelle Netzwerke finanziell zu schwächen und illegale Einnahmequellen konsequent zu unterbinden. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden konnten dadurch zwar Erfolge erzielt werden, gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen jedoch, dass das Problem weiterhin besteht.
Politisch werden nun unterschiedliche Lösungsansätze diskutiert. Vertreter verschiedener Parteien fordern eine konsequentere Strafverfolgung, schnellere Gerichtsverfahren sowie eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Ausländerbehörden. Auch die Möglichkeiten zur Abschiebung ausländischer Straftäter werden erneut kontrovers diskutiert. Andere Stimmen mahnen hingegen, Statistiken sorgfältig einzuordnen und zwischen Tatverdächtigen und rechtskräftig verurteilten Personen zu unterscheiden.
Experten weisen grundsätzlich darauf hin, dass Kriminalitätsstatistiken stets mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Polizeiliche Statistiken erfassen in erster Linie registrierte Straftaten und Tatverdächtige. Sie geben daher Auskunft über das sogenannte Hellfeld der Kriminalität, erlauben jedoch keine vollständigen Aussagen über die tatsächliche Kriminalitätsbelastung oder über individuelle Schuldfragen.
Unabhängig von der politischen Bewertung bleibt das Thema Clankriminalität ein Schwerpunkt der Berliner Sicherheitsbehörden. Angesichts steigender Fallzahlen dürfte die Debatte über wirksamere Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität auch in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird erwartet, dass weitere parlamentarische Anfragen und künftige Lagebilder zusätzliche Erkenntnisse darüber liefern, wie sich das Phänomen entwickelt und welche Strategien langfristig Erfolg versprechen.