Nebenwirkungen: Pharma-Insider spricht Klartext
Ein ehemaliger Pharma-Insider hinterfragt die offiziellen Zahlen zu Nebenwirkungen und spricht von einer möglichen massiven Untererfassung. Seine Rechnung löst politische Diskussionen aus und wirft Fragen zur Transparenz auf.
4/12/20263 min read
Ein ehemaliger Toxikologe aus der Pharmaindustrie sorgt derzeit für Diskussionen über die Sicherheit der Corona-Impfstoffe. In einer Anhörung der Corona-Enquete-Kommission des Bundestages stellte der frühere Pfizer-Experte Helmut Sterz eine Schätzung vor, die deutlich über den offiziell gemeldeten Zahlen möglicher Impfnebenwirkungen liegt.
Im Zentrum seiner Argumentation steht die Annahme, dass ein Großteil von Nebenwirkungen und Todesfällen nach Impfungen gar nicht erfasst wird. Grundlage seiner Berechnungen sind gemeldete Verdachtsfälle beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI), der zuständigen Behörde für Impfstoffsicherheit in Deutschland.
Ausgangspunkt: Gemeldete Verdachtsfälle
Sterz bezieht sich auf rund 2.000 gemeldete Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Verdachtsmeldungen, bei denen nicht zwangsläufig ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen ist.
Diese Meldungen stammen aus sogenannten Spontanmeldesystemen. Ärzte, Betroffene oder Angehörige können hier mögliche Nebenwirkungen melden. Allerdings erfolgt diese Meldung freiwillig – ein zentraler Punkt in der Kritik.
Problem der Untererfassung
Laut Sterz liegt das eigentliche Problem darin, dass solche Systeme nur einen Teil der tatsächlichen Fälle abbilden. In der Pharmakovigilanz – also der Überwachung von Arzneimittelsicherheit – sei seit Langem bekannt, dass Nebenwirkungen oft nicht vollständig gemeldet werden.
Er verweist auf Schätzungen, wonach nur ein kleiner Anteil aller Nebenwirkungen tatsächlich erfasst wird. Teilweise wird davon ausgegangen, dass lediglich 1 bis 10 Prozent der Fälle gemeldet werden. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen könnte.
Auch das Paul-Ehrlich-Institut selbst hatte in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass nur ein Bruchteil unerwünschter Arzneimittelwirkungen in solchen Systemen landet.
Hochrechnung sorgt für Aufmerksamkeit
Auf Basis dieser Annahmen nimmt Sterz eine Hochrechnung vor. Er multipliziert die gemeldeten Fälle mit einem Faktor, der die vermutete Untererfassung widerspiegeln soll. In seinen Ausführungen nennt er einen Faktor von etwa 30, der in Fachkreisen diskutiert werde.
Überträgt man diesen Wert auf die rund 2.000 gemeldeten Verdachtsfälle, ergibt sich eine mögliche Größenordnung von mehreren zehntausend Fällen. Sterz nennt dabei eine Spannbreite von etwa 20.000 bis 60.000 möglichen Todesfällen in Deutschland.
Er betont jedoch selbst, dass es sich dabei nicht um exakte Zahlen handelt, sondern um Schätzungen, die stark von den zugrunde gelegten Annahmen abhängen.
Grenzen der Datenlage
Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Aussagekraft der verwendeten Daten. Spontanmeldesysteme liefern wichtige Hinweise auf mögliche Risiken, sind aber nicht dafür geeignet, eindeutige Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu beweisen.
Oft fehlen entscheidende Informationen, etwa zu Vorerkrankungen oder anderen Faktoren, die ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnten. Deshalb können gemeldete Verdachtsfälle nicht automatisch als bestätigte Impfschäden gewertet werden.
Auch die Höhe der sogenannten Dunkelziffer ist wissenschaftlich schwer exakt zu bestimmen. Je nach Studie und Methodik variieren die Schätzungen erheblich.
Politische und wissenschaftliche Kontroverse
Die Aussagen von Sterz treffen auf ein bereits stark polarisiertes Umfeld. Während Kritiker der Impfstrategie seine Argumente als Hinweis auf mögliche Versäumnisse sehen, verweisen andere Experten auf umfangreiche Studien und internationale Daten, die die Sicherheit der Impfstoffe belegen sollen.
So wird etwa betont, dass die Corona-Impfstoffe weltweit in großem Umfang eingesetzt wurden und dabei umfangreiche Sicherheitsdaten gesammelt wurden. Gleichzeitig bleibt die Frage nach der Qualität und Vollständigkeit einzelner Datensysteme ein wiederkehrender Diskussionspunkt.
Einordnung: Schätzung statt Fakt
Am Ende steht weniger eine konkrete Zahl als vielmehr eine Debatte über Methoden und Datenqualität. Die Berechnungen von Sterz zeigen vor allem eines: Wie stark Ergebnisse davon abhängen, welche Annahmen man über die Vollständigkeit von Meldesystemen trifft.
Seine Aussagen unterstreichen die Bedeutung transparenter und möglichst vollständiger Datenerhebung in der Arzneimittelsicherheit. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie schwierig es ist, aus unvollständigen Daten belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die Diskussion dürfte daher weitergehen – sowohl in der Politik als auch in der Wissenschaft.
Quellen: Recherchen u. a. basierend auf Berichten von NIUS, Angaben des Paul-Ehrlich-Institut sowie öffentlichen Anhörungen im Deutscher Bundestag.