Berlin: Kritik nach islamischer Aschura-Demonstration – Kinder bei großer Hitze in szenischer Darstellung eingebunden

Auf einer Aschura-Demonstration in Berlin sorgten Bilder von Kindern, die Teil einer symbolischen Inszenierung waren, bundesweit für Diskussionen. Die Polizei griff ein und untersagte die Darstellung. Politik und Verbände kritisieren insbesondere die Einbindung von Minderjährigen.

6/28/20262 min read

Kinder, die an einer Ashura-Demonstration in Berlin am Brandenburger Tor teilnehmen.
Kinder, die an einer Ashura-Demonstration in Berlin am Brandenburger Tor teilnehmen.
Eine schiitische Aschura-Demonstration in Berlin hat am Wochenende bundesweit für kontroverse Diskussionen gesorgt. Im Mittelpunkt stehen Videoaufnahmen, auf denen mehrere Kinder während des Demonstrationszuges Teil einer symbolischen Darstellung historischer Ereignisse waren. Die Szenen lösten insbesondere wegen der hohen Temperaturen und der Beteiligung Minderjähriger deutliche Kritik aus.

Nach Angaben der Berliner Polizei nahmen mehrere hundert Menschen an der Versammlung teil. Während des Aufzuges wurde eine szenische Darstellung gezeigt, die sich auf historische Ereignisse rund um das Aschura-Gedenken bezog. Dabei waren Kinder mit Seilen miteinander verbunden und in die Inszenierung eingebunden.

Die Einsatzleitung der Polizei griff nach eigenen Angaben zeitnah ein. In einem Gespräch mit den Verantwortlichen der Versammlung wurde die Darstellung untersagt. Die Organisatoren kamen dieser Aufforderung nach, sodass die Kinder die Szene nach kurzer Zeit verließen. Laut Polizei verlief die Demonstration anschließend ohne größere Zwischenfälle weiter.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten die extrem hohen Temperaturen. Während der Veranstaltung herrschten Werte von nahezu 40 Grad Celsius. Mehrere Teilnehmer mussten aufgrund der Hitze medizinisch versorgt werden. Zwischenzeitlich wurde der Demonstrationszug unterbrochen, damit sich die Teilnehmer im Schatten aufhalten und ausreichend trinken konnten.

Besonders scharfe Kritik kam vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA). Der Verein veröffentlichte Videoaufnahmen der Demonstration und kritisierte die Einbindung von Kindern in die symbolische Darstellung. Nach Auffassung des Vereins würden Minderjährige dadurch für politische Botschaften instrumentalisiert. Zudem wurde kritisiert, dass auf der Demonstration Symbole und Bezüge zu Persönlichkeiten gezeigt worden seien, die mit dem iranischen Regime oder schiitischen Organisationen in Verbindung stehen.

Auch aus der Berliner Landespolitik folgte eine deutliche Reaktion. Innensenatorin Iris Spranger erklärte, dass die Versammlungsfreiheit ein hohes Gut sei. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass Kinder nicht für politische Inszenierungen eingesetzt werden dürften. Insbesondere bei den außergewöhnlich hohen Temperaturen sei eine solche Einbindung aus ihrer Sicht nicht vertretbar. Die Gefährdung des Kindeswohls müsse in jedem Fall verhindert werden.

Die Berliner Polizei erklärte im Anschluss, dass während der gesamten Demonstration keine strafbaren Parolen oder verbotenen Symbole festgestellt worden seien. Auch Hinweise auf strafrechtlich relevante Inhalte bei Transparenten oder Redebeiträgen hätten sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht ergeben. Die Versammlung sei insgesamt friedlich verlaufen.

Der Aschura-Tag gehört zu den wichtigsten religiösen Gedenktagen im schiitischen Islam. Dabei erinnern Gläubige an den Tod von Imam Hussein, der im Jahr 680 in der Schlacht von Kerbela getötet wurde. In zahlreichen Ländern finden zu diesem Anlass Prozessionen und Gedenkveranstaltungen statt. Während viele dieser Veranstaltungen ausschließlich religiösen Charakter haben, gibt es immer wieder Diskussionen darüber, wenn politische Botschaften oder aktuelle Konflikte in die Veranstaltungen eingebunden werden.

Nach Angaben der Behörden war die Berliner Demonstration offiziell als Versammlung für Solidarität mit unterdrückten Menschen weltweit sowie gegen Krieg und Waffenlieferungen angemeldet worden. Die öffentliche Debatte konzentriert sich nun jedoch vor allem auf die gezeigten Szenen mit den Kindern sowie auf die Frage, ob Minderjährige bei politischen Demonstrationen in dieser Form eingesetzt werden sollten.

Die Ereignisse sorgen inzwischen auch über Berlin hinaus für Diskussionen. Während Kritiker eine stärkere Kontrolle vergleichbarer Veranstaltungen fordern und den Schutz von Kindern in den Mittelpunkt stellen, verweisen andere auf die Bedeutung der Versammlungs- und Religionsfreiheit. Die Berliner Polizei betont, dass sie bei der konkreten Darstellung unmittelbar eingeschritten sei und die beanstandete Szene beendet wurde.

Mit dem Ende der Demonstration dürfte die Debatte jedoch nicht abgeschlossen sein. Vielmehr wird erneut darüber diskutiert, wie religiöse und politische Versammlungen künftig begleitet werden sollten und welche Grenzen gelten, wenn Minderjährige Teil öffentlicher Inszenierungen werden.

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