Protestbus mit Alice Weidel-Puppe besucht Schulen

Ein Protestbus mit einer Alice-Weidel-Puppe in einer Gefängniszelle besucht Schulen in Niedersachsen. Kritiker warnen vor politischer Indoktrination im Klassenzimmer, während die Debatte um die Neutralität an deutschen Schulen eskaliert.

5/8/20262 min read

Alice Weidel doll behind bars in an anti-AfD school project poster with a school bus.
Alice Weidel doll behind bars in an anti-AfD school project poster with a school bus.
In Niedersachsen sorgt derzeit ein politisches Schulprojekt für massive Diskussionen. An zwei Gesamtschulen in der Gemeinde Weyhe war in dieser Woche der umstrittene Protestbus „Adenauer SRP+“ zu Gast – ein mobiles Projekt des Aktivistenkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“. Das Ziel der Aktion: Schüler über Rechtsextremismus und demokratische Verantwortung aufklären. Doch besonders eine Szene im Inneren des Busses löst nun heftige Kritik aus.

Dort befand sich eine Puppe, die deutlich an AfD-Chefin Alice Weidel erinnern sollte. Die Figur saß hinter Gittern in einer nachgebauten Gefängniszelle. Das Kunstprojekt sollte laut den Organisatoren symbolisch vor den Gefahren rechter Politik warnen. Kritiker werfen den Beteiligten hingegen vor, Schüler gezielt politisch beeinflussen zu wollen.

Der Bus machte Station an der KGS Leeste sowie an der KGS Kirchweyhe. Eingeladen worden war das Projekt laut regionalen Berichten vom „Runden Tisch gegen Rechts – für Integration“. Unterstützt wurde der Besuch offenbar auch von Lehrkräften der Schulen. Insbesondere Schüler der höheren Jahrgänge sollten das Angebot besuchen, teilweise stand der Bus aber auch jüngeren Klassen offen.

Ein Lehrer der KGS Leeste erklärte gegenüber Medien, er verstehe Antifaschismus als „erste Bürgerpflicht“ und habe das Projekt aktiv begleitet. Auch weitere Lehrkräfte äußerten sich positiv über das Konzept und lobten die angeblich „kindgerechte“ Vermittlung politischer Inhalte. Genau das stößt jedoch auf Widerstand.

In sozialen Netzwerken und politischen Kreisen wird inzwischen darüber diskutiert, ob Schulen mit solchen Aktionen ihre gesetzlich vorgeschriebene politische Neutralität verletzen könnten. Besonders die Darstellung einer Oppositionspolitikerin in einer Gefängniszelle wird von Kritikern als problematisch angesehen. Gegner des Projekts sprechen von parteipolitischer Stimmungsmache auf dem Schulhof.

Das „Zentrum für politische Schönheit“, das hinter der Aktion steht, ist bereits seit Jahren für provokante politische Kampagnen bekannt. Die Gruppe sorgte in der Vergangenheit mehrfach bundesweit für Schlagzeilen – unter anderem mit Aktionen gegen rechte Parteien und kontroversen Kunstperformances. Auch der „Adenauer SRP+“-Bus war bereits mehrfach Thema öffentlicher Debatten. Das Fahrzeug wurde laut Berichten in der Vergangenheit wegen technischer Mängel und anderer Verstöße von der Polizei kontrolliert oder zeitweise stillgelegt.

Auf der Internetseite des Projekts werben die Aktivisten offen damit, Schulen bundesweit besuchen zu wollen. Lehrkräfte, Eltern oder Schulleitungen könnten den Bus demnach direkt buchen. Angeboten werde ein „modulares Programm“ zu Demokratie, Menschenrechten und rechtsextremen Ideologien. Die Inhalte seien flexibel an Unterricht und Altersgruppen anpassbar.

Während Unterstützer die Aktion als wichtige politische Bildungsarbeit verteidigen, sehen Kritiker darin eine gefährliche Vermischung von Unterricht und politischem Aktivismus. Besonders konservative Stimmen warnen davor, dass Schüler einseitig beeinflusst werden könnten. Die Debatte erinnert viele an frühere Diskussionen über politische Neutralität im Bildungswesen und den sogenannten Beutelsbacher Konsens, der eine einseitige politische Beeinflussung von Schülern verhindern soll.

Auch Eltern meldeten sich inzwischen zu Wort. Einige begrüßen das Projekt als klares Zeichen gegen Extremismus, andere empfinden die Darstellung politischer Gegner als überzogen und unangemessen für Schulen. Vor allem die Frage, ob Minderjährige mit stark politischen Inszenierungen konfrontiert werden sollten, steht dabei im Mittelpunkt.

Der Fall zeigt erneut, wie polarisiert die politische Stimmung in Deutschland inzwischen ist – und wie stark gesellschaftliche Konflikte inzwischen auch an Schulen angekommen sind. Während die einen von notwendiger Demokratiebildung sprechen, warnen andere vor ideologischer Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche.

Ob die Aktion weitere Konsequenzen haben wird, ist derzeit offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Der Besuch des Protestbusses hat weit über Niedersachsen hinaus eine neue Diskussion über politische Neutralität, Aktivismus und Meinungsbildung an deutschen Schulen ausgelöst.

Quellen: Recherchen und Informationen unter anderem von Apollo News, regionalen Medienberichten sowie öffentlich zugänglichen Angaben des Projekts „Adenauer SRP+“.