Alarm an Berliner Schulen: Neue Studie enthüllt erschreckendes Ausmaß von Gewalt und Mobbing
Beleidigungen, Ausgrenzung, Schläge und eskalierende Konflikte bereits bei Kindern: Die bislang größte Schulstudie Deutschlands zeigt, wie stark Gewalt den Alltag vieler Schüler und Lehrer inzwischen prägt.
6/23/20262 min read


Gewalt, Mobbing und Diskriminierung gehören für viele Schülerinnen und Schüler in Berlin offenbar zum Schulalltag. Zu diesem Ergebnis kommt das sogenannte Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer, die bislang umfangreichste Untersuchung ihrer Art in Deutschland. Für die Studie wurden mehr als 14.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 2.500 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte befragt.
Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Viele Lehrkräfte sehen Gewalt und Konflikte an ihren Schulen inzwischen als ernstes Problem. Mehr als die Hälfte der befragten Pädagoginnen und Pädagogen bewertet die Situation als groß oder sogar sehr problematisch. Zahlreiche Befragte berichten zudem, dass sich Konflikte seit den Jahren der Corona-Pandemie verschärft hätten.
Besonders auffällig sind die Zahlen bei Jugendlichen der neunten Klassenstufe. Viele Schülerinnen und Schüler gaben an, innerhalb des laufenden oder vergangenen Schuljahres beleidigt, verspottet oder ausgegrenzt worden zu sein. Auch körperliche Übergriffe wie Schubsen, Treten oder Schlagen werden von einem erheblichen Teil der Befragten berichtet. Einige Jugendliche erklärten sogar, bereits Opfer schwererer Gewalt geworden zu sein.
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass Gewalt häufig aus vergleichsweise banalen Anlässen entsteht. Streitigkeiten über Kleidung, Aussehen, soziale Zugehörigkeit oder schulische Leistungen können demnach schnell eskalieren. Experten warnen deshalb vor einer sinkenden Hemmschwelle bei Konflikten und einer zunehmenden Aggressivität im Umgang miteinander.
Besonders besorgniserregend ist nach Einschätzung der Studienautoren die Entwicklung an Grundschulen. Dort berichten Lehrkräfte zunehmend von Kindern, die bereits bei kleinen Auslösern aggressiv reagieren oder Konflikte nur schwer selbstständig lösen können. Viele Pädagogen beobachten nach eigenen Angaben eine geringere Frustrationstoleranz und eine schnellere Eskalation von Streitigkeiten als noch vor einigen Jahren.
Neben körperlicher Gewalt spielt auch psychischer Druck eine wichtige Rolle. Mobbing, Ausgrenzung und soziale Demütigungen gehören laut Studie zu den häufigsten Belastungen für Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommen digitale Konflikte über soziale Netzwerke und Messenger-Dienste, die häufig außerhalb des Unterrichts entstehen, aber in den Schulalltag hineinwirken.
Die Berliner Bildungsverwaltung bewertet die Ergebnisse als deutliches Warnsignal. Ziel der Untersuchung sei es gewesen, erstmals eine belastbare Datengrundlage zu schaffen, um Ursachen von Gewalt besser zu verstehen und gezielte Gegenmaßnahmen entwickeln zu können. Experten sehen insbesondere einen höheren Bedarf an Schulsozialarbeit, Präventionsprogrammen und Unterstützung für Lehrkräfte.
Die Studie macht deutlich, dass Gewalt an Schulen kein Randphänomen mehr ist. Vielmehr stehen Bildungseinrichtungen zunehmend vor der Herausforderung, Konflikte frühzeitig zu erkennen und wirksam einzudämmen. Ob die nun vorliegenden Erkenntnisse zu konkreten politischen Maßnahmen führen werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Diskussion über Sicherheit, Respekt und Zusammenhalt an deutschen Schulen dürfte durch die neuen Zahlen weiter an Bedeutung gewinnen.