Weniger Abschiebungen in Deutschland 2023
Im Jahr 2023 schiebt Deutschland deutlich weniger Menschen ab als im Vorjahr. Besonders auffällig ist die Rückführung von nur drei Personen nach Syrien, trotz politischer Debatten über strengere Maßnahmen zu Abschiebungen.
4/30/20263 min read
Die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland ist zu Beginn des Jahres deutlich zurückgegangen. Nach aktuellen Angaben wurden im ersten Quartal 2026 rund 4.800 Menschen abgeschoben – ein Rückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit ist erstmals seit mehreren Jahren ein spürbarer Einbruch zu verzeichnen.
In den vergangenen Jahren war die Zahl der Rückführungen kontinuierlich gestiegen. Umso bemerkenswerter ist nun die Trendwende: Statt weiter zuzunehmen, ist die Zahl der Abschiebungen deutlich gesunken. Die Entwicklung wirft Fragen auf – insbesondere vor dem Hintergrund einer politisch intensiv geführten Debatte über Migration und strengere Maßnahmen im Umgang mit ausreisepflichtigen Personen.
Deutlicher Rückgang innerhalb eines Jahres
Im Vergleich zum ersten Quartal 2025, als noch über 6.000 Menschen abgeschoben wurden, liegt die aktuelle Zahl um mehr als 1.300 Fälle niedriger.
Dieser Rückgang entspricht einem Minus von über 20 Prozent und stellt damit eine klare Zäsur dar.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Einerseits spielen organisatorische und rechtliche Hürden eine Rolle. Abschiebungen sind komplexe Verfahren, die sowohl logistisch als auch politisch abgestimmt werden müssen. Andererseits hängt die Durchführung oft von der Kooperation der Herkunftsländer ab, die nicht immer gegeben ist.
Wichtigste Zielländer der Abschiebungen
Die meisten Abschiebungen erfolgten weiterhin in klassische Herkunfts- oder Transitländer. Besonders häufig wurden Personen in die Türkei, nach Georgien sowie in Staaten des westlichen Balkans zurückgeführt. Auch nordafrikanische Länder wie Marokko und Algerien gehören zu den häufigeren Zielstaaten.
Diese Verteilung zeigt, dass Abschiebungen vor allem in Länder stattfinden, mit denen entsprechende Rücknahmeabkommen bestehen oder bei denen die Zusammenarbeit als relativ unkompliziert gilt.
Kaum Abschiebungen nach Syrien
Besonders auffällig ist die Situation bei Abschiebungen nach Syrien. Im gesamten ersten Quartal wurden lediglich drei Menschen dorthin zurückgeführt.
Diese äußerst geringe Zahl verdeutlicht die weiterhin schwierige Lage im Umgang mit syrischen Staatsangehörigen. Trotz politischer Diskussionen über mögliche Rückführungen bleibt Syrien ein Sonderfall. Sicherheitsbedenken, diplomatische Spannungen und fehlende Infrastruktur vor Ort erschweren Abschiebungen erheblich.
Zwar gibt es vereinzelt Fälle, in denen Abschiebungen nach Syrien durchgeführt werden – etwa bei schwerwiegenden Straftaten – doch diese bleiben die Ausnahme.
Politische Debatte hält an
Der Rückgang der Abschiebungen steht im Kontrast zu den politischen Forderungen nach einer strengeren Migrationspolitik. Immer wieder wird gefordert, ausreisepflichtige Personen konsequenter zurückzuführen.
Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen, die vor überhasteten Maßnahmen warnen. Sie verweisen darauf, dass viele Herkunftsländer weiterhin als unsicher gelten oder nicht über ausreichende Infrastruktur verfügen, um Rückkehrer aufzunehmen.
Gerade bei Syrien ist die Lage besonders umstritten. Während einige politische Akteure eine stärkere Rückführung befürworten, weisen andere auf die weiterhin schwierigen Lebensbedingungen im Land hin. Neben wirtschaftlichen Problemen mangelt es vielerorts an grundlegender Versorgung wie Wohnraum, medizinischer Betreuung und stabiler Infrastruktur.
Auch besonders schutzbedürftige Gruppen betroffen
Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte immer wieder für Diskussion sorgt, ist die Zusammensetzung der abgeschobenen Personen. Unter ihnen befinden sich nicht nur alleinstehende Erwachsene, sondern auch Familien und besonders schutzbedürftige Menschen.
Dazu zählen Kinder, Jugendliche und ältere Personen. Diese Tatsache wird von Kritikern als problematisch bewertet, da sie eine humanitäre Dimension in die Diskussion einbringt.
Trendwende oder vorübergehender Effekt?
Ob es sich bei dem aktuellen Rückgang um eine dauerhafte Entwicklung handelt, ist derzeit noch unklar. Möglich ist, dass kurzfristige Faktoren wie organisatorische Engpässe oder politische Abstimmungen eine Rolle gespielt haben. Ebenso denkbar ist jedoch, dass sich eine grundsätzliche Veränderung in der Abschiebepraxis abzeichnet.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Trend fortsetzt oder ob die Zahlen wieder steigen. Klar ist jedoch: Die Abschiebepolitik bleibt ein zentrales Thema in der deutschen Innenpolitik – und dürfte auch künftig für kontroverse Diskussionen sorgen.
Fazit
Der deutliche Rückgang der Abschiebungen markiert einen wichtigen Einschnitt. Während die Zahlen insgesamt sinken, bleibt die Situation bei bestimmten Herkunftsländern – insbesondere Syrien – weiterhin komplex.
Die Entwicklung zeigt, dass Abschiebungen nicht nur von politischen Entscheidungen abhängen, sondern auch stark von internationalen Rahmenbedingungen, Sicherheitsfragen und praktischen Umsetzbarkeiten beeinflusst werden.
Damit bleibt die Migrationspolitik ein Spannungsfeld zwischen politischen Forderungen, rechtlichen Vorgaben und humanitären Überlegungen – ohne einfache Lösungen.
Quellen: Eigene Zusammenstellung auf Basis von Berichten von Apollo News und Welt sowie Daten des Bundesministerium des Innern und für Heimat.